Golf ist klar. Golf ist wie Tennis, wie Fußball und Skat. Anders als bei Squash (Orange Squash?) oder Canasta (Cannabis?) kann man sich da nicht vertun. Golf ist der Schläger, Golf ist das Grün, und Golf ist das Loch. Eine unglaubliche, geradezu märchenhafte Klarheit in Zeiten, in denen selbst rinks und lechts nur noch schwer zu unterscheiden sind, wie der Wiener Dichter Ernst Jandl feststellte, und so mancher Mann im Genderrausch schon seine Frau mit einem Hut verwechselt hat, wovon der britische Arzt Oliver Sacks in einem viel gelesenen Buch zu berichten wusste.

Da muss ein Foto wie dieses irritieren. Denn ganz offenbar haben die Herrschaften im Pelz hier etwas verwechselt: den Golfplatz mit einer Weide. Oder sollen sie bloß das Gras drum herum kurz halten? Wie dem auch sei, für die Schafe ist das Green nur Grün, Futtermasse, "einfach lecker", wie einfühlsame Gastrokritiker gern schreiben. Die meditative Grundstimmung der lieben Gesichter trügt: Dem Schaf an sich sagt ein Golfplatz als Spielplatz eher wenig, und die Konzentration im Augenwinkel lässt vor allem auf geglückte Verzehrprozesse und Verdauungsvorgänge schließen.

Und doch will uns das Bild zugleich Tieferes bedeuten. Ist der Platz nicht auch für jeden von uns, für jeden Spieler etwas anderes? Nicht unbedingt eine kleine Zwischenmahlzeit, so weit würde selbst der, nun ja, eingefleischteste Vegetarier kaum gehen. Aber doch geistige Nahrung, Erquickung der Seele. Heißt es nicht immer wieder in frommen Schriften und Liedern, der Herr weide uns "auf grüner Au"?

Der grüne, grüne Platz: Für den einen ist er ein stiller Gartengrund, ein locus amoenus, ein hortus conclusus, in dem er, verloren für die Welt, allein dem göttlichen Spiel nachgeht, beseligt ruhend und mit jedem Schlag sanft schwingend in sich selbst. Der andere indes nutzt die stillen Wege für knallharte Deals und überlegt am dritten Loch bereits, wie er diesen unfähigen Geschäftsführer endlich loswird, und am vierten schon: "Aber ohne Abfindung. Keinen Cent!" Auch dergleichen mag beglücken und neue Kräfte wecken.

Gewiss, Golf ist Golf, und doch bedeutet es für jeden etwas anderes. Für den einen Hass, für den zweiten Gebet und für den dritten Sex. Dieses dem Wesen nach so unkomplexe Spiel (Ball in Loch) mit seinen eindeutigen, unschuldigen, relativ leicht fassbaren Regeln ist tatsächlich mehrdeutig, unendlich schimmernd und schillernd. Wie viele Ideen schon sind einer gelungenen Golfrunde entsprungen? Wie viele glückliche Ehen und wie viele noch viel glücklichere Scheidungen? Und wie viele herbe politische Entschlüsse wurden hier gefasst? Sollte demnächst ein Atomkrieg beginnen, so dürfen wir sicher sein, die Entscheidung fiel an Loch 9.

Denn ein Golfplatz, das ist eben nicht nur ein Grün. Für manche ist er eine Gedankenrennbahn. Ein Ideenwindpark. Ein Kraftfeld wilder Träume, kühner Pläne. Und nicht zuletzt: ein War-Room in den kleinen und großen Kriegen des Lebens.