NDR-Volontär, ARD-Korrespondent in Washington, "Tagesthemen"-Moderator: Mit 44 Jahren hat Ingo Zamperoni eine steile Karriere hingelegt. Gerade erschien sein zweites Buch, "Anderland", über Amerika unter Trump. Er habe bis zum allerletzten Moment noch an den Sätzen gefeilt, erzählt er in seinem Büro in Lokstedt. Auch an seinen Sätzen in diesem Interview möchte er im Nachhinein am liebsten noch viel feilen. Warum?

Ingo Zamperoni: Ich habe mir beim Lesen der ZEIT immer gesagt: In der Serie "Über Geld spricht man (nicht)" möchte ich nie landen. (lacht) Aber es ist ja immer interessant, mit Menschen über ein Thema zu reden, in dem sie nicht beheimatet sind und mit dem sie sich nicht so wohlfühlen.

DIE ZEIT: Wieso fühlen Sie sich mit Geld unwohl?

Zamperoni: Geld ist für mich Mittel zum Zweck. Ich habe leicht reden, weil ich mir finanziell wenig Sorgen machen muss. Das ist Luxus. Aber ich schulde Leuten ungern Geld. Ich poche auch nie darauf, wenn andere mir Geld schulden. Es ist mir unangenehm. Und wenn die Leute es vergessen, habe ich eben Pech gehabt. Ich wäre ein schlechter Inkasso-Vertreter.

ZEIT: Mit welchem Verhältnis zu Geld sind Sie aufgewachsen?

Zamperoni: Mit einem privilegierten. Ich habe mir um Geld nie wirkliche Sorgen machen müssen. Ich erinnere mich, dass meine Großmutter mit mir am Weltspartag in die Filiale der Nassauischen Sparkasse in Wiesbaden gegangen ist und wir mein erstes Sparbuch eröffnet haben, mit 20 Mark. Ich hatte eine Elefanten-Spardose, deren Inhalt ich alle paar Monate zur Bank gebracht habe. Das hat mich zum Sparen animiert.

ZEIT: Wofür haben Sie das Ersparte ausgegeben?

Zamperoni: Die erste größere Geschichte, an die ich mich erinnere, waren 100 Mark für ein Skateboard. In der fünften oder sechsten Klasse. Ein cooles, breit, mit kleinen Rollen. Damit fuhren alle, also wollte ich es auch. Ich habe es einem Klassenkameraden abgekauft. Für mich war das wahnsinnig viel Geld. Für meine Mutter auch, sie wollte das verhindern. Aber ich habe mich durchgesetzt.

ZEIT: Womit haben Ihre Eltern Geld verdient?

Zamperoni: Meine Mutter war Lehrerin. Mein Vater war Verkäufer für verschiedene Firmen. Irgendwann hat er sich selbstständig gemacht und italienische Schuhe in ganz Europa verkauft. Er hat ein gutes Gespür fürs Handeln.

ZEIT: Hat er Ihnen das weitergegeben?

Zamperoni: Nicht so richtig. Wenn mein Vater einen Deal machen konnte, hat er es versucht. Wir haben oft auf dem Flohmarkt gekauft, mein Vater hat sich gefreut, wenn er da noch etwas verhandeln konnte. Sein Jagdinstinkt ging mir total ab.

ZEIT: Sie sind nicht so gut im Verhandeln?

Zamperoni: Nicht wirklich, es macht mir einfach keinen Spaß. Schon als Kind im Italienurlaub auf dem Mercato war es mir immer unangenehm, noch ein bisschen zu verhandeln. Es ist mir eher peinlich.

ZEIT: Haben Sie Taschengeld bekommen?

Zamperoni: Das hat meine Mutter geregelt. Zusätzlich gab es einen Satz für Zeugnisnoten: für eine Eins fünf Mark, für eine Zwei drei Mark.

ZEIT: Hat Sie das geprägt?

Zamperoni: Küchenpsychologisch könnte man das vielleicht so deuten. Meine Eltern haben mir schon vermittelt: Von nichts kommt nichts. Diese Eigenverantwortung: Ich kann nicht erwarten, dass mir etwas in den Schoß fällt. Ich wusste immer, dass ich mich anstrengen muss.

ZEIT: Sind Sie ein ehrgeiziger Mensch?

Zamperoni: Das frage ich mich manchmal. Sportlich war ich immer sehr ehrgeizig, habe Hockey gespielt, in der Jugend auf hohem Niveau. Im Berufsleben war ich entspannter, man kann nichts erzwingen. Aber natürlich braucht man auch Biss, um da zu landen, wo ich gelandet bin. Als ich Englisch gelernt habe, habe ich englische Bücher gelesen und jedes Wort nachgeschlagen, das ich nicht verstand. Wenn das Ehrgeiz ist, dann bin ich ehrgeizig. Oder bei meinem neuen Buch: Da wollte ich bis zum letztmöglichen Moment an jeder Zeile feilen.

ZEIT: Klingt perfektionistisch.

Zamperoni: Ich bin hartnäckig, auf jeden Fall. Ich sage nie gleich: Passt schon. Insofern bin ich vielleicht schon ein Perfektionist. Ich sage meinen Kindern immer: The universe is about balance – das Universum ist immer um Ausgleich bemüht. Wenn ich etwas gebe, kriege ich das wieder, vielleicht in einer anderen Form. Dieser Spruch hat sich in meinem Leben immer bewahrheitet. Deshalb betrachte ich Großzügigkeit als eine so wichtige Qualität.