Neulich habe ich fast eine Katze überfahren. Sie hockte unter einem parkenden Auto und entschied sich im dümmstmöglichen Augenblick, blitzartig die Straße zu überqueren. Zum Glück konnte ich rechtzeitig bremsen. Die Katze schlüpfte auf der anderen Straßenseite durch einen Gartenzaun, und ich erinnerte mich an die E-Mail einer Leserin, die mir eine Werbeanzeige für Katzenfutter der Marke Almo geschickt hatte, auf der eine Katze forderte: "Respektiere meine Natur!"

Es gehört nicht zur Natur von Katzen, überfahren zu werden. Insofern bin ich respektvoll mit ihr umgegangen. Dennoch scheinen Werbetexter nicht immer zu wissen, was sie so alles aufschreiben. Die Katzen-Natur ist durchaus zweischneidig. Weltweit befassen sich zwei Dutzend wissenschaftliche Studien mit den Charaktereigenschaften von Katzen, und die Ergebnisse deuten stark darauf hin, dass Katzen ihre Besitzer umbringen und essen würden, wenn diese kleiner wären. So wie Vögel, die Katzen gerne und in großer Zahl töten. Vorsichtig geschätzt, 40 Millionen pro Jahr allein im ländlichen Wisconsin, haben zwei US-Forscher hochgerechnet. Für das Umweltbundesamt sind Katzen eine "absolute Bedrohung der Singvögel im siedlungsnahen Bereich". Was freilich indirekt Vorteile hat, denn Vögel fressen Insekten, und von denen kleben bekanntlich jedes Jahr weniger auf den Windschutzscheiben. Aber das nur am Rande.

In Tierforen steht, eine natürlich ernährte Durchschnittskatze brauche täglich etwa 200 Gramm Fleisch, ganz grob überschlagen. Die 13 Millionen in Deutschland lebenden Hauskatzen verputzen jährlich also fast eine Million Tonnen, was in Geflügel umgerechnet dem Gewicht einer halben Milliarde Masthühner entspricht (Mittellangmast nach DLG-Kriterien). Wie alle Fleischfresser schaden Katzen dem Klima. Außerdem verstopfen Katzenvideos das Internet. Letzteres liegt freilich weniger in ihrer Natur als in der ihrer Halter.