Sie gilt als das schönste Gesicht von Barca TV. Aber man täte ihr unrecht, sie nur so zu sehen. Moderatorin Laura Aparicio Salinas ist eine engagierte Journalistin, ausgestattet mit besten Kontakten. Wenn sie nicht im Studio sitzt, dann ist sie mit wehenden Haaren und einem Kamerateam im VIP-Bereich des Stadions Camp Nou unterwegs. Treppauf, treppab. Zwischen all den gepolsterten Sesseln führt Laura gerne Interviews. Vor dem Spiel, in der Pause und erst recht nach dem Spiel. Dann tritt José Carreras vor ihr Mikrofon und öffnet sein Herz, Justin Bieber und später in der Kabine auch noch "Leo", wie sie Lionel Messi nennt. So nah wie Laura kommen nur wenige an die Großen heran. Man spricht gern mit ihr, sie bekommt also mit, was los ist im Verein.

Als vor vier Jahren der Torwartjob beim FC Barcelona neu zu besetzen war, rechnete die Moderatorin eher mit einem Kandidaten aus Paris oder Madrid, mit einem Torwart aus London oder auch aus München, mit einem wie Manuel Neuer vom FC Bayern. Sie irrte sich, wie so viele Männer aus der Branche.

Als Laura damals auf Sendung ging, saß ein blonder, hünenhafter Mann vor ihrem Mikrofon. Ein Mann, "sehr sympathisch" zwar, wie sich die Moderatorin erinnert, aber noch recht unbekannt in Katalonien: Marc-André ter Stegen, der Neue! Nicht aus München angereist, sondern aus Mönchengladbach, direkt vom Niederrhein. "Journalistisch nicht ohne Reiz", sagt Laura heute. Die interessantesten Geschichten über den neuen Torwart seien damals noch gar nicht geschrieben oder gesendet worden. Genau genommen habe ter Stegens Leben ja erst begonnen, als er seinen Dienst in Barcelona angefangen habe.

Also hat Barca TV den Deutschen unter Beobachtung genommen und sich um Geschichten gekümmert. Einer der vielleicht schönsten in letzter Zeit zeigt den 26 Jahre alten Torhüter beim Training. Ter Stegen als Feldspieler. Kurzpassspiel mit Messi, Andrés Iniesta und Gerard Piqué. Die Truppe scheint viel Spaß zu haben. Je schneller, desto besser. Ter Stegen macht mit, als wäre das nichts. Tiki-Taka mit den Größten, sogar Kollege Messi gerät außer Atem, in einer Verschnaufpause streicht er sich trotzdem genüsslich den Bart.

Ciutat Esportiva Joan Gamper heißt das Trainingszentrum, benannt nach dem Gründer des Vereins. Es liegt in den Hügeln über Barcelona, gut fünf Kilometer vom Stadion Camp Nou entfernt. Ein magischer Ort schon wegen der verschwenderischen Größe des Geländes, das groß genug wäre für knapp 30 Fußballfelder. Das Training ist geheim. Gelegentlich werden streng eskortierte Journalistengruppen durch die Türen gelassen. Unterwegs keine Fotos, Bilder von den Autos der Spieler sind tabu. Ganz hinten, auf einem Außenplatz, an den die Hochhäuser der Vorstadt heranreichen, steht Trainer Ernesto Valverde. Er ist seit 2017 im Amt. Der Job scheint ihm sicher, seine Mannschaft hat gerade die Meisterschaft und den Pokal gewonnen. Vorn Messi, hinten ter Stegen – und auch in den Reihen dazwischen die Besten, die zu haben sind –, so lässt es sich in Ruhe arbeiten.

Wohlgefällig ruht der Blick Valverdes auf seinem Torwart, der immer der Erste ist beim Training und der Letzte, der geht. Ter Stegens Ehrgeiz scheint keine Grenzen zu kennen. Und sein Können auch nicht. "Messi mit Handschuhen" haben ihn spanische Kommentatoren genannt und, wenn sie wieder bei Sinnen waren, geschrieben: "der beste Torwart der Welt!" Aber ist er das wirklich? Kann das sein, solange es Manuel Neuer gibt?

Was in ihm vorgehe, wenn etwa die Stürmer von Real Madrid auf ihn zuliefen, ist ter Stegen einmal gefragt worden. Cristiano Ronaldo zum Beispiel. Was das für ein Gefühl sei, sich dem entgegenzustellen. Eine besondere Erfahrung? Der Torwart hat die Frage gar nicht verstanden. Die Angst, den Ball nicht zu halten, ist ihm fremd, egal, wer da kommt.