Manchmal schreiben die unmöglichsten Menschen Geschichte. Menschen, die der historischen Herausforderung eigentlich nicht gewachsen sind, intellektuell, politisch oder moralisch nicht. Donald Trump und Kim Jong Un hätte man als Letzten zugetraut, in Korea Frieden zu stiften. Genau dies aber könnte den beiden nun gelingen. Man steht und staunt.

Geschichte – das ist immer ein so großes Wort. Diesmal ist es angemessen. Vor genau 65 Jahren ging der Koreakrieg zu Ende, eine drei Jahre währende Barbarei, in der zwanzig Prozent der koreanischen Bevölkerung starben. Auch 36.000 amerikanische Soldaten fanden den Tod. Die Kriegsparteien schlossen im Sommer 1953 nur einen Waffenstillstand. Bis heute warten die Koreaner auf einen Friedensvertrag.

Deshalb war der Dienstag dieser Woche ein bedeutendes Datum, an dem die Vereinigten Staaten und Nordkorea erklärten, sie wollten auf ein "dauerhaftes und stabiles Friedensregime auf der Koreanischen Halbinsel" hinarbeiten. Einen Friedensvertrag ersetzt die Erklärung von Singapur nicht. Aber sie nimmt Furcht von denen, die seit Jahrzehnten in Angst vor Artilleriegeschützen, Raketen und Nuklearwaffen leben. Die Deutschen wissen, was es heißt, in einem geteilten Land im Schatten der Bombe zu leben.

Die Sowjetunion ist zerfallen, der Warschauer Pakt löste sich auf, aus Chinas Kommunisten wurden Turbokapitalisten, aber in Nordkorea herrscht noch immer der Clan der Kims. Die rote Dynastie hält sich durch rigorose Abschottung nach außen, totale Kontrolle im Inneren und durch eine beispiellose Brutalität im Umgang mit den eigenen Bürgern an der Macht. Es brauchte wohl jemanden wie Trump, der ohne jede Berührungsangst gegenüber dem Bösen ist, um zu sagen: Lasst uns miteinander reden!

Das Ergebnis ist ein knappes, vages Papier. Trump verspricht dem Norden darin Sicherheitsgarantien, Kim bekräftigt seine Bereitschaft zur "vollständigen Denuklearisierung" der Koreanischen Halbinsel. Die Experten haben die Erklärung von Singapur sofort zerpflückt. Sie bedeute absolut "nichts", sagte Joseph Yun, bis vor Kurzem der wichtigste Korea-Unterhändler im State Department. Kim habe nicht das geringste Zugeständnis gemacht.

Tatsächlich ist die Vereinbarung nur der Beginn, jetzt müssen Verhandlungen über die Details folgen. Es geht um die Zerstörung von Atomsprengköpfen und Raketen, um den Abbau von Forschungsstätten, Reaktoren, Anreicherungsanlagen und Testgeländen. Dies alles wird, wenn es gut geht, Jahre dauern. Bis heute ist es schwer vorstellbar, dass Kim Jong Un bereit sein könnte, sein Nuklearpotenzial tatsächlich bis zur letzten Bombe zu vernichten. Für das Gelingen der "Denuklearisierung" wird die Verifizierung jedes einzelnen Abrüstungsschrittes entscheidend – und unendlich schwierig – sein.

Umgekehrt wird es nicht leicht sein, Nordkorea die gewünschten Sicherheitsgarantien zu geben. Eine diplomatische Anerkennung der Kim-Diktatur, möglicherweise ein Nichtangriffsvertrag, schließlich ein formeller Friedensvertrag – dies alles wird im US-Kongress auf Opposition stoßen. Schon die überraschende Ankündigung Trumps, künftig auf gemeinsame Militärmanöver mit Südkorea verzichten zu wollen, hat in Washington und Seoul Erstaunen und Widerspruch ausgelöst.