Wenn die sogenannten Millennials in der Weltgeschichte eine Rolle spielen werden, dann jene, die Dürrenmatt in seinem Romulus der Große dem Eilboten zukommen ließ, der nur über die Bühne taumeln darf, um einen einzigen Satz zu rufen: "Ich bin müde." Eilboten heißen heute Rapper; müde sind auch sie. Zum Beispiel der 22-jährige Amerikaner Post Malone, der gerade die Hip-Hop-Charts einlullt mit eigentümlichem Singsang-Rap. Wie die meisten Kollegen ist auch Malone zusammenhanglos im Gesicht tätowiert – hier vorn ein Playboy-Logo, dort hinten ein schwerer Dolch. Nun aber hat er sich etwas stechen lassen, das man als das Gesichtstattoo einer Generation deuten möchte: Unter seinem rechten Auge steht, in geschwungenen Lettern, "Always", unter dem linken "Tired". Was Dürrenmatts Figur noch ausrufen musste, das kann man den Augen Malones gleich ablesen. Immer müde: Das ist eine Eilbotschaft, die auch Millennials verstehen; sie gilt, anders als Turnschuhmode, heute wie morgen. So lange haben wir uns gefragt, worauf wir noch vertrauen dürfen – dabei hatten wir es direkt vor unseren Augen: die eigene Müdigkeit. Always tired. Man würde sich die zwei Wörter gern sofort auf die Tränensäcke schreiben, mit einem Fineliner, der hineinsticht, sodass man kurz den Schmerz des Wachseins spürt. Man würde gern. Wäre man nicht schon wieder zu müde.