33 Ideen für die Schule der Zukunft – Seite 1

Wie müssen sich die Schulen ändern? Braucht es eine radikale Bildungsreform? Was wäre, wenn man mal richtig träumen könnte? Diese Fragen haben wir Bildungsexperten, Lehrern und Schülern gestellt. Eigene Lernwege entwickeln, Kreativität beibringen oder Roboter in der Turnhalle fahren lassen – 33 solcher Ideen für die Schule der Zukunft präsentieren wir hier. Die Antworten der Schüler stammen von Teilnehmern des Ideenwettbewerbs Unsere Schule!, den das Haus der Kulturen der Welt in Berlin ausgerufen hatte – nach dem Vorbild eines Wettbewerbs der britischen Zeitung The Guardian. In Deutschland war die ZEIT-Verlagsgruppe Kooperationspartner; ZEIT-Redakteurin Jeannette Otto saß in der Jury. Rund 2.000 Schüler aus 27 Ländern haben mitgemacht, viele von ihnen von Deutschen Auslandsschulen. Diese Woche werden in Berlin die Preise vergeben, Bundespräsident Steinmeier ist mit dabei. In der Kategorie der 5- bis 9-Jährigen gewann die Haubach-Schule in Hamburg mit einer Bilderreihe, bei den 10- bis 14-Jährigen das Ardenne-Gymnasium in Berlin mit dem Video Ode an die Schule, bei den 15- bis 19-Jährigen das Gymnasium Hamburg-Allermöhe mit dem Traum vom "Schwampnasium als innovative Schule der Zukunft". Unter den Auslandsschulen hat die Deutsche Schule Tokyo Yokohama mit ihrer Arbeit Kamishibai das Rennen gemacht.

Schüler

"Zu Hause habe ich bei meinen Hausaufgaben oft eine Katze auf dem Schoß. Es hilft mir, mich zu konzentrieren, wenn ich sie streichele. Das wäre im Unterricht schön."
Carlotta, 8, Theodor-Haubach-Schule, Hamburg

"In der Zukunft können Schüler selbstständig arbeiten, zum Beispiel auch mal einen Tag im Homeoffice. Weil sie freier sind, werden sie mehr lernen."
Lara, 15, Paul-Natorp- Gymnasium, Berlin

"Es muss ein System geben, damit alle Kinder miteinander spielen. Sonst spielen sie immer mit den gleichen, und das ist langweilig und blöd, wenn man keine Gruppe hat."
Charlie, 10, Grundschule Schenkendorf, Koblenz

"Ich wünsche mir einen späteren Unterrichtsbeginn und dass ich besser auf die Zukunft vorbereitet werde."
Vinda, 13, Manfred-von- Ardenne-Gymnasium, Berlin

"Mathe und Deutsch werden Nebenfächer sein, die für jedes Kind einen identischen Bildungsstand garantieren. Die Hauptfächer sind frei wählbar und näher am Leben. Ein Schreinermeister kann Kindern viel mehr Wissen bieten als jemand, der Technik im Lehramt studiert hat. Eine Viertagewoche wäre toll."
Georg Hendricks, 18, Berufskolleg für Grafik-Design, Stuttgart

"In der Zukunft sollte das Klassensystem keine Alters- beschränkung mehr haben. Schüler können je nach Niveau wechseln und sich wohler fühlen."
Mae, 13, Deutsche Schule Tokyo Yokohama

"Die Toiletten in der Schule haben später alle Zwischentüren, die man eintreten kann. Das ist gut, um Aggressionen loszuwerden."
Jan, 15, Gymnasium Allermöhe, Hamburg

"Das Schulsystem muss gerechter werden. In der Zukunft gibt es gleiche Chancen für alle Schüler, egal aus welchem Bundesland und mit welchem familiären Hintergrund."
Palina, 16, Paul-Natorp-Gymnasium, Berlin

"Aneignung von Wissen sollte nicht prinzipiell dazu führen müssen, viel Geld zu verdienen, sondern einen Beruf zu finden, der wirklich zu einem passt."
Linda, 18, Albert-Schweitzer-Schule, Kassel

"Schulen sollten von innen schön sein. Bei uns vor allem da, wo man den Ranzen abstellt, denn da geht das Gummi am Boden ab. In den Klassenräumen wünsche ich mir mehr Platz und größere Tische."
Alma, 8, Inklusive Offene Ganztagsschule Kretzerstraße (IOGS), Köln

"Es sollte an jeder Schule ein Heckenlabyrinth geben, weil man darin toll spielen und sich auch verstecken kann."
Maximilian, 8, Astrid- Lindgren-Schule, Ladenburg

"In der Schule der Zukunft gibt es Tests für Lehrer. Damit sicher ist, dass sie den Kindern wirklich etwas beibringen."
Aleyha, 10, Grundschule an der Bäke, Berlin

"Wir brauchen Fächer, die gezielt über Klimawandel und Naturschutz informieren. Je früher Kinder das lernen, desto eher können sie etwas verändern."
Maria, 13, Deutsche Schule Den Haag

"In Schulen wird es Gärten geben. Es ist wichtig, wieder zur Natur zurückzufinden."
Tim, 14, Deutsche Schule Tokyo Yokohama

"Jeder Schüler wird einen eigenen Lehrer haben und sich auf das spezialisieren, was er gut kann."
Lukas, 13, Deutsche Schule Den Haag

"Unsere Tische haben Tablets, die man ausfahren kann. Darauf sind alle Bücher, und wir müssen nichts mehr schleppen. Und in jedem Klassenraum steht ein 3-D-Hologramm von der Erde. Damit kann man sich jeden Ort ansehen, über den man etwas lernen soll."
Lara, 14, Gymnasium Allermöhe, Hamburg

"Schüler sind nicht mehr so eingesperrt. Die Lehrer unterrichten alles, was die Natur betrifft, draußen."
Isabell, 16, Deutsche Schule Barranquilla, Kolumbien

"Promis unterrichten die Schüler, das macht alles interessanter."
Antonia, 12, Humboldtschule, Bad Homburg

"In manchen Schulen können nur Kinder mitmachen, die nicht behindert sind. Das ist in der Zukunft anders, da können alle voneinander lernen."Maya, 10, Grundschule Schenkendorf, Koblenz

"Ganz wichtig ist es mir, dass alle Kinder, egal wie sie aussehen oder welche Behinderung sie haben, gemeinsam lernen dürfen."
Samuel, 17, Allgemeine Sonderschule, Rogatsboden, Österreich

"Die Kinder müssen mehr rennen. Wer nur in der Klasse sitzt und arbeitet, wird dusselig und hat keine gute Laune."
Leni, 7, Internationale Deutsche Schule Paris

"Wir kommen mit fliegenden Skateboards in der Schule an, dann stellen wir uns auf Schwebeplattformen, die uns zum Klassenraum bringen."
Constantin, 11, Humboldtschule, Bad Homburg

"Lehrer werden entlastet und haben viel frei. Für die Schüler ist das gut, sie können dann mit den Lernrobotern spielen."
Per, 8, Theodor- Haubach-Schule, Hamburg

"Ich will keine Roboter. Es ist nicht so cool, wenn die alles für uns machen – und als Lehrer sind sie bestimmt nicht nett."
Elena, 9, Internationale Deutsche Schule Paris

Bildungsexperten

Bildungsexperten

"Die Schule der Zukunft braucht ein Zentrum der Stille, eine Art Kapelle, in der man sich vergewissert, dass man das wirklich Wichtige nicht wissen kann, sondern es immer neu erringen muss. Vom Direktor bis zum Fünftklässler respektieren alle die Stille in diesem Raum, den ich rund bauen und wie Tortenstücke dritteln würde – einen jüdischen Gebetsraum, einen für Christen und einen für Muslime."
Bruder Paulus Terwitte, 59, Franziskustreff-Stiftung

"Die Leistung der Lehrer wird unabhängig von Alter und Dienstjahren zählen."
Maria Rauhut, 33, Lehrerin an der Deutschen Schule Tokyo Yokohama

"Eine Schule der Zukunft ist eine, in der Schülerinnen und Schüler angstfrei und gerne lernen. Sie werden entsprechend ihren Bedürfnissen individuell und ganzheitlich gefördert und können mit Unterstützung der Lehrkräfte ihre eigenen Lernwege gestalten."
Hans Anand Pant, 55, Geschäftsführer Deutsche Schulakademie

"In meiner Utopie ist Lernen nicht mehr an die Monotonie eines Klassenzimmers gebunden. Wechselnde Lernorte für kleinere Gruppen können zum interaktiven Klassenzimmer werden, in dem Schüler ihr Lernmaterial an kontextbezogenen Beispielen erleben."
Alexandra Heraeus, 29, Heraeus-Bildungsstiftung

"Die Schule ist heute noch nach dem Modell der Industrialisierung aufgebaut: memorieren, repetieren und standardisieren. Das entspricht nicht mehr unserer Wirklichkeit und muss sich ändern. Die Schule der Zukunft sollte verstärkt Lösungs- orientierung, Kreativität und soziale Kompetenzen fördern, damit wir die Möglichkeiten der Digitalisierung positiv gestalten können."
Nathalie von Siemens, 46, Sprecherin des Vorstands der Siemens Stiftung

"Die Schule sollte trotz permanenter Veränderung den Kindern und Jugendlichen helfen, Haltungen zu entwickeln. Respektvolle, selbstbewusste, neugierige, kritische, empathische Haltungen, die Schüler als gemeinschaftsfähige Individuen wachsen lassen."
Ansgar Wimmer, 50, Vorsitzender des Vorstands der Alfred Toepfer Stiftung

"Die Erwartung an den alles verbessernden Einsatz digitaler Medien an unseren Schulen ist groß. Doch ohne den liebevollen Zuspruch und das Coaching einer Lehrerin oder eines Lehrers bleibt kaum ein Kind länger als wenige Minuten an einer digital vermittelten Lernaufgabe vor dem Bildschirm; es geht so bald wie möglich zum Spieleprogramm über. Spannender ist der von Medien ungetrübte oder nur untermauerte, spielerische Wissenserwerb in der Lerngruppe. Deshalb: Kultusminister aller Länder, vereinigt euch! Wir brauchen freies Geld für mehr gut ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer! iPads oder Laptops dienen nur der weiteren Festigung von analoger, persönlicher Lernerfahrung. Sie ersetzen sie nicht."
Michael Göring, 61, Vorstandsvorsitzender der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius

"Die Schule von morgen unterstützt die Lernenden, sich in einer sich verändernden Welt zurechtzufinden; selbstständig zu denken und mit Empathie im Team zu arbeiten; sich auf eine Gesellschaft und auf Berufsfelder vorzubereiten, die wir heute noch nicht kennen; Technologien zu nutzen, die erst morgen erfunden werden. Soziale und emotionale Kompetenz werden dabei ebenso hohe Bedeutung haben wie kognitive Fähigkeiten."
Andreas Schleicher, 53, OECD, Koordinator der Pisa-Studie

"Lernen wird zum Spielplatz. Einem Spielplatz, der Schülern und Lehrern Orte bietet, die sich entsprechend den Begabungen und Interessen wandeln. In den Kernfächern erkennt ein Programm die Lernstrategien von Schülern, stellt für jedes Kind individualisierte Aufgaben auf dem Tablet zusammen, erfasst die Lernfortschritte, bietet Abwechslung, Ruhephasen, gemeinsame Aktivitäten. Lehrer begleiten diesen Prozess, Kinder helfen einander – und was funktioniert, wird erfasst und intensiviert."
Nina Kolleck, 36, Bildungswissenschaftlerin an der FU Berlin