Der Sohn eines Textilhändlers glänzte schon an einer Eliteschule, gewann einen schwierigen Wettbewerb, arbeitete kurze Zeit als Lehrer und zog mit 26 Jahren als jüngster Abgeordneter ins Parlament ein. Politisch zählte er zur linken Mitte, noch spielte er keine große Rolle. Die Wiederwahl gelang ihm nicht, so studierte er Philosophie und wurde mit einer lateinisch geschriebenen Arbeit über die Ursprünge des deutschen Sozialismus promoviert. Die Erfahrung eines Bergarbeiterstreiks verwandelte den Intellektuellen und überzeugten Republikaner in einen Sozialisten, der seine humanistischen Grundüberzeugungen nie aufgab. Wieder ins Parlament gewählt, verteidigte er mit eindrucksvollen Reden die Rechte der Arbeiter, griff die Gesetze gegen die Anarchisten an, verdammte den Einsatz von der Regierung bezahlter Provokateure und geißelte die osmanischen Massaker an Armeniern.

Die von ihm mitbegründete reformorientierte sozialistische Partei grenzte sich zunächst vom dogmatischen und revolutionären Flügel der Sozialisten ab, Schritt für Schritt gelang ihm die Einigung der unterschiedlichen Gruppierungen der sozialistischen Bewegung zu einer Partei. Gelehrter, politischer Theoretiker und Volkstribun in einer Person, beeindruckte er durch intellektuelle Brillanz, Uneigennützigkeit und die völlige Hingabe an seine politischen Ziele. Im Wetterleuchten, das einen großen Krieg ankündigte, warb er für Pazifismus und Völkerverständigung. Bei Rechten und Nationalisten verhasst, fiel er einem Attentäter zum Opfer. Wer war’s?

Lösung aus Nr. 24:

Eckart Witzigmann, geb. 1941, ging u. a. bei den Brüdern Haeberlin und Paul Bocuse in die Lehre. Als Chefkoch im Tantris und als Besitzer der Aubergine etablierte er seit den 1970er Jahren französische Kochkunst in Deutschland und erwarb drei Michelin-Sterne. "Gault-Millau" kürte ihn 1994 zum "Koch des Jahrhunderts".