Nein, wir tun es nicht für uns, feuert Debbie Ocean ihr Frauenteam an: Wir tun es für all die achtjährigen Mädchen da draußen, die davon träumen, Kriminelle zu werden. Debbie hat einen spektakulären Raub im Scheinwerferlicht eines Celebrity-Events geplant: Es geht um ein Diamantcollier von Cartier, das eine Starschauspielerin auf der Met-Gala, dem jährlichen Wohltätigkeitsball der Kostümabteilung des New Yorker Metropolitan Museum, tragen soll. Natürlich macht Debbie den Job auch für sich. Weil sie so etwas gut kann. Weil sie das Andenken ihres Bruders, des Meisterdiebs Danny, ehren möchte. Und weil eine Rechnung offen ist mit einem Liebhaber, der sie vor Jahren in den Knast gebracht hat. Wenn Sandra Bullock und ihre Komplizinnen Steven Soderberghs Ocean’s-Serie übernehmen und die nach drei Filmen erschöpfte Bande um George Clooney und Brad Pitt ersetzen, steht natürlich die Frage im Raum: Brauchen wir das jetzt noch mal als feministisches Projekt?

Ocean’s 8, bei dem Soderbergh die Regie an Gary Ross abgegeben hat, ist das Produkt einer Emanzipationsgeschichte, die damit begonnen hatte, dass Frauen in ruppigen Genrefilmen wie Alien, Terminator oder Blue Steel Schlagkraft und eine Affinität zu Waffen entwickelten – von "weiblichen Rambos" war damals die Rede. Heute ist es fast zur Routine geworden, die von Männern dominierten Blockbuster-Genres auf ihre Quote zu prüfen. Die Spekulation auf mehr Zuschauerinnen hat uns in den letzten Jahren prügelnde Agentinnen, jugendliche Erlöserinnen, Wonder Woman und die erste handlungsrelevante Jedi in Star Wars beschert. Selbst die neue TV-Version von Wolfgang Petersens Boot führt Frauen auf der Besetzungsliste. Eine Seitenlinie des Trends sind Adaptionen von Männer-Ensemblefilmen, mit den neuen Ghostbusters und nun Ocean’s 8.

Dabei muss es gar nicht schlecht sein, einfach mal das Personal klassischer Männergenres auszutauschen. An den Rändern der populären Kultur, im B-Picture und im Fernsehen, funktioniert die Sache schon lange prächtig. Seit der Fantasy-Serie Xena ist klar, dass Frauenbündnisse so haltbar sind wie das zwischen Kirk und Spock, im Horrorkino haben Mädchen die besten Überlebenschancen, die Resident Evil-Filme etablierten mit Milla Jovovich eine facettenreiche Actionheldin. Und Quentin Tarantino hat seine ganze mittlere Phase den Frauen und ihrem Zorn gewidmet: von Jackie Brown bis zu den Kill Bill-Filmen, deren Kung-Fu-Szenarien einen Katalog weiblicher Konfliktsituationen abarbeiten, Doppelbelastung, sexuelle Gewalt, ungeplante Schwangerschaft, Scheidungskrieg.

Dabei geht es nicht nur um die Poleposition in der kapitalistischen Konkurrenz, sondern auch noch um etwas anderes als eine angemessene Repräsentation von Frauen mit den von der Gesellschaft auf sie abgewälzten Problemen. Es geht um den Schauwert. Männerfilme öffnen den Raum, wie Melodramen oder Liebesfilme das kaum können, sie bringen die Physis auf Touren und lösen das Korsett sozialer Zwänge. Kurz: Sie sind Abenteuerspielplätze. Wonder Woman vermittelt davon eine Ahnung in den hypertrophen Ansichten kämpfender Amazonen. Und dass das Ghostbusters-Remake mit Kristen Wiig und Melissa McCarthy schon vor dem Start so heftig geschmäht wurde, liegt vielleicht daran, dass es eine zentrale Jungsfantasie zu verteidigen galt: Im Original konnten die Physikstreber mit ihren Protonenspritzen nicht nur das Wettpinkeln auf dem Schulhof gewinnen, sondern in die nächste Dimension ejakulieren.

Im Übrigen vergisst man leicht, dass auch Männerfilme "feminine" Energie entfalten können, dass die als maskulin konnotierten Eigenschaften kaum irgendwo in Reinform auftauchen. Ocean’s 8 hat in der Hinsicht leichtes Spiel, denn im caper movie, das von anspruchsvollen Raubzügen handelt, wird sowieso mit sanften Mitteln gekämpft: List, Rollenspiel, filigranes technisches Gerät. Und in Ocean’s Eleven, dem ersten Film der Serie, war Las Vegas eine Kulisse, die in ihrer glamourösen Künstlichkeit dem Promidinner im Lichthof des Metropolitan Museum sehr ähnlich ist; nicht nur Satinhemden, auch kugelsichere Westen schmiegen sich bei Soderbergh sanft schimmernd an die Körper der Helden.

In Ocean’s 8 wirken die Roben, verglichen mit dem, was wirklich an Fashion-Irrsinn bei der Met-Gala aufläuft, zurückgenommen – vermutlich, damit sie nicht von der schwindelerregend überkonstruierten Handlung ablenken. Der 3-D-Drucker, der eine makellose Kopie des Cartier-Colliers in Zirkon ausspuckt, nötigt den Diebinnen mehr Bewunderung ab als das Originalgeschmeide, das ungerührt in Einzelteile zerknipst wird. Und obwohl Sandra Bullock gleich am Anfang einen Beutezug durch ein Nobelkaufhaus unternimmt, hat man nicht das Gefühl, sie sei ernsthaft an all den Luxusgütern interessiert. Dasselbe gilt für ihre Co-Stars, die nicht bloß qua Geschlecht, sondern auch ethnisch, nach Körpertypen und nach professioneller Herkunft dem Gebot der Diversität entsprechen: von der kantigen Cate Blanchett zur knuffigen Mindy Kaling, von Rihanna im Rasta-Häkellook zur zierlichen Rapperin Awkwafina. Den unterhaltendsten Part hat auf der Gegenseite, als bestohlenes "Opfer", Anne Hathaway, die jeden Gesichtsmuskel darauf verwendet, das Klischee des dämlichen It-Girls zu akzentuieren.

Und machen sie jetzt was besser oder anders? Müssen sie gar nicht. Das Abenteuer des caper movies besteht in einer sozialen Utopie: Es erzählt von unentfremdeter Arbeit in einem Kollektiv. Vom reinen Vergnügen an einem Job, den man perfekt beherrscht und der obendrein das Ziel hat, unsinnig konzentrierten Reichtum umzuverteilen. Auch wenn die Inszenierung hier nicht jazzig daherperlt wie bei Soderbergh, bewegen sich die Heldinnen von Ocean’s 8 auf dieser Sorte Spielplatz in High Heels wie in Stiefeln vollkommen trittsicher. Sodass man sich fragen könnte, warum vorher niemand auf die Idee gekommen ist.