Im Weltall herrscht Wildwest. 60 Jahre nach dem Beginn der Raumfahrt gibt es kaum Regeln für Rechte, Pflichten und gutes Benehmen im Orbit. Einem politischen Desperado wie Donald Trump kommt das gelegen. Am Montag hat er einen Plan für eine Weltraumarmee, eine Space Force neben der Air Force, verkündet. Sein Ziel: "Wir müssen den Weltraum dominieren."

Zwar ist der Präsident nach der amerikanischen Verfassung für diese Frage nicht zuständig, und der tatsächlich zuständige Kongress hat den Plan schon im vergangenen Jahr verworfen. Aber die Ankündigung torpediert die aktuellen Bemühungen um ein verbindliches internationales Weltraumrecht. Das erfordert nämlich Kompromissbereitschaft statt All-Macht-Plänen.

Zeitgleich zu Trumps Ankündigung treffen sich Hunderte Regierungsvertreter und Fachleute zur "Unispace +50"-Tagung in Wien. 50 Jahre nach der ersten UN-Konferenz zur friedlichen Nutzung des Weltalls wollen sie bis Ende nächster Woche über Erreichtes und Ungeklärtes beraten. An schwierigen Themen ist auch ohne das Störfeuer aus Washington kein Mangel.

Rund 20.000 Satelliten hat die Menschheit bisher ins All geschossen, fast 2.000 sind derzeit in Betrieb. Und es werden immer mehr. Über 800 neue Satelliten sollen bald den globalen Zugang zum Internet gewährleisten. Navigation, Telekommunikation, Satellitenfernsehen, Meteorologie, Spionage und Umweltforschung – ohne die Helfer im All geht fast nichts mehr. Doch mit der Zahl der Späher wächst auch das Risiko einer Kollision, so wie 2009: Da knallte ein amerikanischer Telefon- in einen abgeschalteten russischen Militärsatelliten und erzeugte Unmengen an Weltraumschrott, der bis heute den orbitalen Verkehr gefährdet.

Ungelöst ist auch die Frage: Wem gehören die Rohstoffe auf anderen Himmelskörpern? Die USA und Luxemburg haben Gesetze erlassen, die ihren Unternehmen den Abbau etwa auf Asteroiden erlauben. Den sogenannten Mondvertrag, der das seit 1979 eigentlich verbietet, haben sie – wie China, Russland und Deutschland – nicht unterschrieben.

Und was wäre, wenn ein Asteroid auf Kollisionskurs mit der Erde entdeckt wird? Würde eine Raumfahrtnation versuchen, ihn so abzulenken, dass er das eigene Staatsgebiet verschont, stiege anderswo die Gefahr. Womöglich würde dieser Konflikt mehr Opfer fordern als der Einschlag selbst.

Zwar gibt es Vorschläge, wie so ein Krisenfall unter dem Dach der UN friedlich entschieden werden könnte. Doch der zuständige Ausschuss der Weltorganisation konnte nichts davon in Regeln gießen. Auch die anderen großen Fragen werden in Wien unbeantwortet bleiben. Die Konferenz darf Empfehlungen geben, entscheiden kann sie nichts. Die UN haben fast 200 Mitgliedsstaaten, doch nur ein gutes Dutzend ist in der Lage, Raketen ins All zu schießen, allen voran die USA. Das macht die Verständigung auf gemeinsame Regeln schwer. Weltraumrecht hin oder her – am Ende gilt das Recht des Stärkeren.