Die größte Schwierigkeit besteht zurzeit darin, etwas zu konsumieren, das nichts mit der Fußballweltmeisterschaft zu tun hat. Genauer: das nicht krampfhaft damit in Verbindung gebracht wird. Das Vertrauen in die verkaufsfördernde Wirkung von aufgedruckten Bällen, Deutschlandfahnen und "Jogis Jungs"-Sprüchlein scheint grenzenlos zu sein.

Zum ersten Spiel der deutschen Nationalelf gegen Mexiko hätte man ja noch die "Fußball Nacho Platte" nach einem Rezept des Maggi Kochstudios reichen können und dazu "eine von 25 streng limitierten Coca-Cola Zero Spielerdosen". Es hätte jedoch weder besser geschmeckt als sonst noch irgendetwas am Ergebnis geändert. Kauft wirklich jemand, der nicht randvoll ist mit WM-Bier und -Wodka, das "Balea Men Fankurve Duschgel", die Lidl-Fußballbrötchen oder "Das Runde muss in das Eckige"-Backkäse im Teigmantel? Was zur Hölle sollen "Atze Schröder Weltmeister Edition Bruzzler Schaschlik Style"-Bratwürste von Wiesenhof? Warum braucht es Hakle-Klopapier, das mit den "Spielzügen legendärer deutscher WM-Finaltore" bedruckt ist? Wieso glaubt Dr. Oetker, Frauen mit dem Spruch "Back Deinen Mann glücklich!" zur Herstellung fußballförmiger Kuchen bewegen zu können, während sich ihre Männer vor der Glotze ihrer "zweiten Liebe" hingeben?

Nur konsequent, dass am Ende sogar die Fachgruppe Jungpflanzen im Zentralverband Gartenbau noch einen Ratschlag erteilen muss. Der läuft darauf hinaus, dass man vor dem nächsten Spiel noch flugs umtopfen sollte. Sobald nämlich "der heimische Fanblock im Garten mit farblich passenden Blühpflanzen dekoriert ist, steht dem WM-Titel der Lieblingsmannschaft garantiert nichts mehr im Weg". Vielleicht verhelfen ja Petunien, die "Feldspieler in feurig roten Trikots", unseren Helden, nein: Jogis Jungs!, zum Sieg. Und wenn nicht, dann müssen wir uns alle in vier Jahren halt noch etwas mehr anstrengen.