Am Anfang stand ein Film: In 51 Degree North erfahren die Bewohner Londons – das auf dem 51. Breitengrad liegt –, dass ein Asteroid auf sie zurast. Panik bricht aus. Im YouTube-Style dokumentiert der Protagonist, wie sich die Stadt angesichts der herannahenden Katastrophe verändert. Am Ende sieht man einen gleißenden Feuerball. Dann wird es dunkel.

Mit diesem Film begann 2014 die Zusammenarbeit des Filmemachers Grigorij S. Richters mit Brian May, der nicht nur Gitarrist der Rockband Queen ist, sondern auch studierter Astrophysiker. Aus ihren Gesprächen entstand die Idee einer Kampagne, um die Menschheit auf die Gefahr aus dem All aufmerksam zu machen: Der Asteroid Day war geboren.

Der passende Tag dafür ist der 30. Juni – der Jahrestag der sogenannten Tunguska-Katastrophe. Am 30. Juni 1908 explodierte über dem Tunguska-Fluss in Sibirien vermutlich ein Asteroid; die Druckwelle vernichtete ein Waldgebiet von 2000 Quadratkilometern. Seit 2015 soll der – mittlerweile von den UN unterstützte – Asteroid Day an die Gefahr aus dem All gemahnen. Weltweit finden an diesem Tag öffentliche Veranstaltungen statt, Luxemburg sendet rund um den Termin gar ein 48-stündiges TV-Programm zum Thema.

Werden damit nur unnötige Ängste geschürt? Oder hilft der Aktionstag der Asteroidenabwehr auf die Sprünge? Tatsächlich wird bereits seit Ende der 1990er-Jahre systematisch nach gefährlichen Himmelsobjekten gesucht. Während Astronomen anfangs vor allem große Asteroiden mit Durchmessern von einigen Hundert Metern bis zu mehreren Kilometern sichteten, finden sie heute auch immer kleinere Objekte, die bei ihrem Umlauf um die Sonne in Erdnähe geraten (Near-Earth Objects, kurz NEOs).

Was geschähe, wenn eines davon auf die Erde zuraste? Und wer entscheidet, was dann geschieht? Hierzu gibt es mittlerweile zwei Expertengremien unter UN-Mandat. Das International Asteroid Warning Network arbeitet derzeit an einem Kommunikationsplan für den Ernstfall. Sollte dieser eintreten, müssten die UN sowie die nationalen Katastrophenschutzbehörden je nach Größe des Asteroiden über die Evakuierung von Städten sowie über Abwehrmaßnahmen entscheiden. Das zweite Gremium, die Space Mission Advisory Group, würde solche Abwehrmaßnahmen dann in die Wege leiten.

Ideen für Verteidigungsaktionen gibt es schon seit Jahren – von Sonden, die einen Asteroiden anschubsen, um seine Bahn zu verändern, bis hin zu einem "Gravitationstraktor", der den außerirdischen Brocken durch pure Schwerkraft vom Kollisionskurs abbringen soll. Bislang existieren all diese Pläne aber nur auf dem Papier oder als Computersimulation.

Wesentlich konkreter sind dagegen die Missionen von Raumsonden wie Hayabusa oder Osiris-Rex, die herausfinden sollen, wie Asteroiden beschaffen sind. "Dazu wissen wir noch erstaunlich wenig", sagt der Astrophysiker Rolf-Peter Kudritzki, der auf Hawaii und in München forscht. "Wenn wir die Konsistenz von einem oder zwei Asteroiden kennen, heißt das noch lange nicht, dass alle übrigen Asteroiden von derselben Beschaffenheit sind."

Denn auf die Struktur kommt es an. Um einen steinharten Asteroiden abzulenken, müsste man anders vorgehen als bei einem porösen Himmelskörper, in dem eine Sonde vielleicht stecken bliebe oder der beim Aufprall zerbrechen könnte.

Wie so ein Ablenkmanöver funktionieren könnte, wollen die europäische Weltraumorganisation Esa und ihr amerikanisches Pendant Nasa Anfang der 2020er-Jahre mit einer gemeinsamen Mission testen. Zwei Satelliten sollen dann den Doppelasteroiden Didymos – griechisch für "Zwillinge" – anfliegen, der einen geschätzten Durchmesser von 800 Metern hat. Die Nasa-Sonde soll auf dem kleineren der beiden Himmelskörper einschlagen und dessen Bahn minimal ändern. Die Esa-Sonde wiederum soll die Einschlagstelle näher untersuchen, um die Wirkung der Aktion zu erkunden. Allerdings ist die Finanzierung des europäischen Beitrags noch nicht gesichert.

Auch deshalb begrüßen die Forscher den Asteroid Day: Er soll nicht nur die Öffentlichkeit für das Thema gewinnen, sondern auch Entscheidungsträgern den entscheidenden Schub geben, um die Asteroiden-Forschung zu finanzieren. Wenn erst ein Brocken auf die Erde zurast, ist es dafür zu spät.