I. Wie original sind Originale?

Als in Pforzheim mehr als hundert "Kronen der Macht" gezeigt wurden oder in Schwäbisch Gmünd die "Reichskleinodien" zu sehen waren, wusste der Besucher, dass er nicht die Originale, sondern Nachbildungen betrachtet. Aber wenn beispielsweise in Düsseldorf die überdimensionalen Fotos von Andreas Gursky ausgestellt werden oder in Köln Werke des Fotografen Boris Becker, geht man davon aus, Originalen zu begegnen. Doch Fotos sind empfindliche Kunstwerke, die das Licht scheuen. Je nachdem, wie sorgfältig sie vervielfältigt wurden, verändern sich die Farben, neigen sie dazu, zu verblassen. Viele Ausstellungen bedeuten deshalb leicht den Tod des Originals.

II. Kein Original, kein Risiko

Deswegen gibt es die Ausstellungskopie. Sie entspricht technisch und im Format dem Original, doch statt Signatur und Nummer steht auf der Rückseite "Not for sale" oder "Exhibition copy". Galeristen und Ausstellungskuratoren argumentieren, so werde das wertvolle Original geschont. Zudem spare man teure Verpackungs-, Versand- und Versicherungskosten, die entstünden, wenn das Original ständig verschickt werden müsste.

III. Ersatz für das Original

Ähnlich wie bei Fotos ist das bei Lichtkunstwerken. Die Neonröhren zu beschaffen und nach den Vorgaben des Originals zu arrangieren macht mancherorts Ausstellungen möglich, die sich ein weniger finanzstarkes Haus sonst nicht leisten könnte. Konzeptkunst ist vom Künstler nur entworfen, jedoch von anderen ausgeführt worden. Sie zu wiederholen ist also kein Sakrileg. Und bei Videos kommt es auf die Projektion, nicht auf das Magnetband, die DVD oder den USB-Stick an.

IV. Original plus Ausstellungskopie

In den Katalogen wird das in aller Regel nicht vermerkt. Und eigentlich soll die Ausstellungskopie nach einer Präsentation vernichtet oder an den Künstler zurückgegeben werden. Aber das ist Theorie. Schließlich erwarten Institutionen wie das MoMA inzwischen bei Käufen, dass zum Original eine Ausstellungskopie mitgeliefert wird. Auch die Sammlerin Ingvild Goetz leiht statt der Originale lieber eine ihrer rund 200 Ausstellungskopien aus. Die entsprechen theoretisch dem épreuve d’artiste, dem Künstlerexemplar der Druckgrafik. Auch das war ursprünglich nicht für den Verkauf gedacht. Aber im Handel wie bei Auktionen tauchen immer wieder "e. p."-Exemplare als Rarität auf.