Wer mich nicht kennt, würde mein Hobby nie erraten: Ich bin angehender Realschullehrer, gläubiger Christ – und ich spiele an den Wochenenden Schlagzeug in einer Metal-Band. Ich entspreche nicht dem Bild, das die Leute von der Szene haben, denn ich habe kurze Haare, kleide mich relativ normal und bin ein sehr emotionaler Typ. Man könnte meinen, dass sich mein Glaube mit der Aggressivität des Metal beißt, aber ich finde, beides ergänzt sich. Wir spielen christlichen Metal. Ich würde die Musik nicht aggressiv, sondern energetisch nennen. Das passt viel besser. Lobpreis-Lieder, die für Gottesdienste geeignet sind, mache ich mit meiner Band nicht, denn im Metal ist die Musik wichtiger als der Text. Den zu verstehen ist bei den lauten Konzerten sowieso fast unmöglich.

Wenn ich Lieder für meine Band schreibe, ist es mir wichtig, Botschaften von Vergebung und Liebe einfließen zu lassen. Viele handeln von persönlichen Kämpfen und klingen eher düster, aber ich gebe mir Mühe, immer einen Hoffnungsschimmer zu finden. Ich möchte unseren Hörern das Gefühl jener Liebe vermitteln, die ich als von Gott gegeben empfinde. Als wir die Band vor sieben Jahren gründeten, waren alle Mitglieder sehr religiös. Da haben wir auch Psalmen vertont. Inzwischen hat es aber einige Wechsel gegeben, Ansichten haben sich durchmischt, und wir müssen einen Ton finden, der alle anspricht. Wir diskutieren viel miteinander und denken gemeinsam über das Weltgeschehen nach. Wir haben deshalb viele gesellschaftskritische Lieder, in denen wir uns darüber empören, dass ständig Geld ins Militär gepumpt wird und Kriege kein Ende nehmen.

Metal ist unglaublich breit gefächert. Für jeden Stil werden andere Instrumente und Techniken verwendet. Death Metal und Heavy Metal klingen zum Beispiel ganz anders als Metal Core. Gemeinsam haben sie, dass sie laut und brachial sind. Ich glaube, Metal ist ein Genre, in das man hineinwachsen muss. Ich nehme inzwischen die Schreigesänge nicht mehr als hart und hässlich wahr, sondern kann sie auch zum Einschlafen hören. Meine Band macht Death Core; das klingt zwar böse, aber der Name bezieht sich nur auf die Musik. Wer mir nicht glaubt, soll mal zu einem Konzert von uns kommen. Meine Mutter war auch schon da, obwohl sie immer noch hofft, dass es nur eine Phase von mir ist.

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