Mit dieser Nachricht könnte die Deutsche Bahn einen Teil der Arbeitswelt revolutionieren: Künftige Auszubildende brauchen sich von Herbst an nur noch mit Lebenslauf und Zeugnissen bewerben. "Für Schüler ist so ein Motivationsschreiben schon schwierig", zitierte die dpa eine leitende Personalerin. So schwierig, dass die Bahn fürchtete, nicht alle 3.600 Auszubildenden zu finden, die sie in diesem Jahr einstellen will.

Wie die Bahn das kommuniziert hat, war nicht optimal. Für die Entscheidung aber möchte man den Personalern gerne den Personalerpreis des Jahres verleihen (falls es ihn gibt).

Es ist eigentlich selbstverständlich: Wer einen Platz für eine Ausbildung will, muss sich anstrengen. Aber dazu sollte nicht gehören, jahrzehntealte und von Personalmanagern erdachte Standardanschreiben zu verfassen, wie sie sich auch auf meinem Laptop dutzendfach finden. Warum zur Hölle soll man Dinge in Sätze packen, die auf den Seiten danach tabellarisch aufgelistet sind (Lebenslauf). Und Sätze formulieren, die so merkwürdig und gestanzt daherkommen, wie man es im "Bewerben für Profis"-Seminar im Wahlpflichtbereich seines Bachelors gelernt hat, oder zu denen Google einen führte. Das nervt nicht nur die Schreibenden, sondern auch die, die davon überzeugt werden sollen. In der Arbeitsmarktstudie 2017 des Personaldienstleisters Robert Half sagte fast jeder zweite von 500 Managern, dass er Anschreiben für nicht besonders aussagekräftig hält. Was soll ein zukünftiger Chef auch aus "schon als Klassensprecherin konnte ich meine Führungsqualitäten unter Beweis stellen" ziehen?

Das Anschreiben – wie von der Bahn jetzt geplant – einfach wegzulassen und sich einzugestehen, dass der Inhalt sowieso in Zeugnissen und Lebensläufen steht, ist ein erster Schritt. Wem das nicht reicht, der könnte ja mal kreativ werden. Persönlicher wäre es, würden Bewerber ihre Lieblingsbücher oder YouTube-Stars auflisten und erklären, warum diese sie beeindrucken. Sie könnten aufschreiben, was sie in dem Job überhaupt erreichen wollen. In einer Tonaufnahme zeigen, wie sie ein Gespräch im Callcenter führen. Oder sich in einer Online-Simulation als Lokführer üben. Wer fünf Level schafft, meint es ernst. Beinah so kreativ ist die Bahn schon geworden: Für manche Bewerbungen verlangt sie ein 30-sekündiges Smartphone-Video. Und für Azubis gibt es offene Castings: ohne schriftliche Runde. Man kommt einfach vorbei.