Der Dreipfuhl ist ein kleiner Park im schönen Dahlem, einem hochgeschätzten Ortsteil des ohnehin geschätzten Bezirks Zehlendorf von Berlin. Der Park hat an dieser Schönheit freilich keinen Anteil, trockene Weiden beschatten staubige Grasnarben und einen flachen Teich; man weiß nicht einmal sicher, ob der Park wirklich Dreipfuhl heißt, und wenn er so hieße, wo die drei Pfuhle sein sollten; vielleicht ist einer immer ausgetrocknet, der andere lediglich eine Pfütze. Unübersehbar ist nur der eine Teich, er liegt wie ein totes Auge unter einem bleigrauem Himmel. Der ewig dräuende Gewitterhimmel ist das Kennzeichen des Dreipfuhls. Selbst wenn anderswo die Gewitter mit Donnern, Blitzen und Sintfluten niedergehen – am Dreipfuhl regnet es nie. Am Dreipfuhl ist es bedeckt, still und drückend, niederdrückend wäre das richtige Wort. Ein anderes: unheilkündend. Man spricht deshalb in Berlin auch gerne von einem Dreipfuhl-Wetter, wenn eine Atmosphäre so beklemmend wird wie derzeit in der deutschen Regierung. Die ansässigen Psychiater kennen den Begriff der Dreipfuhl-Verstimmung für die letzte, meist suizidale Phase einer Depression.

Der Dreipfuhl kündet von einem Unheil, das in der Luft liegt. Es spiegelt sich in dem Teich, der vielleicht deshalb so tot und erloschen erscheint. Aber ist er das wirklich? Beim Dreipfuhl bleibt immer vieles in der Schwebe, man soll nichts Definitives wissen, er arbeitet mit Ahnungen und Unterstellungen. Vielleicht ist der Dreipfuhl auch missgünstig, eifersüchtig auf das Unheil, das anderswo niedergeht, aber nicht zu ihm kommt. Vielleicht ersehnt der Teich zu seiner Komplettierung eine Wasserleiche, die Weide zu ihrem Schmuck einen Verzweifelten, einen überall Abgewiesenen, endgültig Hoffnungs- und Heimatlosen, der sich an einem Ast aufgeknüpft hat. Vielleicht ist das Unheil, von dem der Dreipfuhl kündet, das Unheil, das er zu seiner Erlösung braucht. Vielleicht hätte der Dreipfuhl, aus einem Hubschrauber des Grenzschutzes von oben gesehen, die Umrisse einer Deutschlandkarte.

Nicht wir sind das Volk, was für eine gemeine Unterstellung. Der Dreipfuhl ist das Volk. Zwei Teiche, vielleicht die milderen, sind schon vertrocknet, aber aus dem verbliebenen funkelt uns ein böses Auge an. Es ist, genau besehen, gar nicht tot, es wünscht sich aber eine Totenruhe. Und tatsächlich liegt gar nicht weit entfernt ein anderer Park, sein Name ist der Schwarze Grund. Da wollen wir jetzt hin – und das schaffen wir auch.

FINIS