Im Oktober 2014 steckte sich die Krankenschwester Teresa Romero in einem Madrider Krankenhaus mit Ebola an, als sie zwei Missionare pflegte, die sich in Westafrika infiziert hatten. Plötzlich war klar, wie nah das Virus den Europäern gekommen war. Beinahe wäre aus einem lokalen Ausbruch der Krankheit im Westen Guineas eine globale Seuche geworden. Auch wenn das nicht geschah, war die Ebola-Epidemie für die betroffenen Länder Afrikas eine Katastrophe: Mehr als 11.000 Menschen starben.

Als Anfang Mai Ebola-Fälle aus der Demokratischen Republik Kongo gemeldet wurden, war die Angst groß. Die Frage lautete: Hat die Weltgemeinschaft aus der vergangenen Epidemie gelernt? Schon einige Wochen später ist die Antwort überraschend eindeutig: Ja.

2014 hatten die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Regierungen der betroffenen Länder den Ausbruch heruntergespielt. Sie ließen sich Zeit mit einer Reaktion. Jetzt reagierten sie schnell, umsichtig, koordiniert – also fast perfekt.

Die Infizierten und ihre Kontaktpersonen wurden ausgemacht und isoliert, WHO-Teams klärten in Städten und Dörfern über wichtige Vorsichtsmaßnahmen auf, etwa bei Beerdigungen. Binnen Kurzem setzten Geldgeber Millionen für Hilfen frei. Und zügig traf ein Impfstoff ein, der möglicherweise vor dem Virus schützt. Ob es all diese Schritte waren, die dazu geführt haben, dass bislang nur 30 Menschen der Krankheit zum Opfer fielen, lässt sich nicht mit Gewissheit sagen. Es gibt aber guten Grund, es anzunehmen.

Das ist die erste Lektion des neuen Ebola-Ausbruchs: Eine Weltgemeinschaft, die geschlossen handelt, hat auch den schlimmsten Epidemien viel entgegenzusetzen.

Die zweite Lektion lautet: Es geht ohne die USA. Die USA sind traditionell der wichtigste Akteur in der globalen Gesundheitsfürsorge. Auch bei der Bekämpfung der Ebola-Epidemie 2014/2015 spielten sie eine Schlüsselrolle. Geht es nach US-Präsident Donald Trump soll sich das aber bald ändern. Seit Monaten spricht er davon, Gelder für die Gesundheitshilfe zu kürzen. Just an dem Tag, an dem die WHO den neuen Ebola-Ausbruch vermeldete, kündigte er an, umgerechnet 216 Millionen Euro für die Bekämpfung der Krankheit zu streichen. Inzwischen hat Trump seine Drohung zurückgezogen; ein Zehntel der Hilfsgelder zur Bekämpfung des aktuellen Ausbruchs stammen nun aus den USA. Im Zweifelsfall aber wäre der Kampf gegen die Krankheit auch ohne diesen Beitrag ausgekommen.

Das Beispiel lässt sich nicht einfach auf alle Erkrankungen übertragen. Bei der Bekämpfung von Aids etwa spielen die USA noch immer eine überragende Rolle. Doch die Unsicherheit darüber, wie sehr man sich in globalen Gesundheitsfragen auf die USA verlassen kann, wächst. Das Ebola-Beispiel ist deshalb ein Hoffnungsschimmer. Wenn viele zusammenarbeiten, kommt es weniger auf den einen an.