Neil Gorsuch ist noch nicht lange dabei. Im April 2017 berief Trump den Juristen als Richter an den Supreme Court, das Verfassungsgericht der USA. Dort arbeitet er nun zusammen mit Veteranen der amerikanischen Rechtsprechung, Ruth Bader Ginsburg zum Beispiel, die seit 25 Jahren über die Verfassung wacht. Und doch war es der Neuling Gorsuch, der Anfang der Woche für eine der spektakulärsten Entscheidungen der vergangen Jahre sorgte.

Mit fünf zu vier Stimmen erklärte das Gericht Trumps "Muslim-Bann" am Dienstag für rechtens: Der Einreisestopp für Menschen aus sechs mehrheitlich muslimischen Staaten (plus Venezuela und Nordkorea) bleibt bestehen. Sie dürfen nicht in die USA einreisen, weder zum Arbeiten, noch um Verwandte zu besuchen. Es war Gorsuchs Stimme, die den Ausschlag gab. Schließlich war sein Posten bis zu Trumps Amtsantritt vakant gewesen – weil die Republikaner Obamas Kandidaten blockiert hatten. Und so beschert Gorsuch dem Präsidenten nun einen folgenreichen Sieg.

In seiner ersten Woche im Amt hatte Trump zum ersten Mal ein Einreiseverbot verhängt – und damit für Chaos an den Flughäfen des Landes gesorgt, schließlich war dort niemand auf die neue Regelung vorbereitet gewesen. Zahlreiche Menschenrechtsorganisationen klagten gegen das Dekret, es diskriminiere aufgrund der Religionszugehörigkeit. Und bekamen zunächst recht: Mehrere Bundesgerichte blockierten die Anweisung. Auch ein zweiter Versuch scheiterte kurz darauf. Trump startete umgehend einen dritten Anlauf.

Und dieses Mal hatte er Erfolg: Die Richter argumentieren, dass sich das Einreiseverbot nicht gegen Menschen einer bestimmten Religion oder Hautfarbe richte, sondern sich auf die Nationalität beziehe. Halte es der Präsident für geboten, die Sicherheit des Landes auf diese Art zu schützen, so steht es in der Begründung des Urteils, liege das im Rahmen der ihm von der Verfassung verliehenen Kompetenzen.

In der Debatte um Trumps restriktive Einwanderungspolitik kommt das Urteil zu einem entscheidenden Zeitpunkt: Gerade erst hat der Präsident unter massivem Druck der Öffentlichkeit verfügt, dass Kinder illegaler Einwanderer künftig nicht mehr getrennt von ihren Eltern festgehalten werden dürfen. Die Entscheidung der Richter wirkt jedoch nun wie eine Bestätigung seines harten Kurses. Auf Twitter kommentierte Trump seinen Sieg mit nur einem Wort: "Wow".