Übergewichtige Menschen schauen oft neidisch auf ihre schlanken Zeitgenossen: Während sie selbst ein Stück Schokolade nur anschauen müssen, um zuzunehmen, können die anderen essen, so viel sie wollen, ohne dass sich das auf der Waage niederschlägt. Als Erklärung hört man dann oft, dass der dicke Mensch schon im Ruhezustand weniger Energie verbrauche als der dünne.

Aber die Geschichte mit dem energiesparenden sogenannten Grundumsatz gehört ebenso ins Reich der schwachen Entschuldigungen wie jene von den schweren Knochen (Stimmt’s Nr. 31/03). Tatsächlich ist die Energie, die der Körper im Ruhezustand verbraucht, nicht für alle Menschen dieselbe. Zum Beispiel tendiert der Grundumsatz dazu, im Alter zurückzugehen – ein Grund dafür, dass viele Menschen dann zunehmen. Auch Diäten können zum Leid der Fastenden den Energieverbrauch senken: Der Körper, dem zu wenig Nahrung zugeführt wird, schaltet dann auf Sparflamme.

Mit dem Körpergewicht aber sinkt der Grundumsatz gerade nicht, er steigt. Das ist auch logisch: Selbst wenn man nur auf dem Sofa vor dem Fernseher sitzt, muss im dickeren Körper eine größere Masse mit Nährstoffen versorgt werden, das Herz muss mehr Blut durch den Körper pumpen.

Leider unterschätzen viele Dicke die Nahrungsaufnahme. In Untersuchungen, bei denen sie über ihre Essgewohnheiten Tagebuch führen, neigen sie zum Schummeln. Wenn Forscher ihren Konsum aufzeichnen, stellt sich heraus, dass sie weit mehr essen als die Dünnen. Die können nur deshalb so viel in sich hineinstopfen, wie sie wollen, weil sie einfach weniger wollen.

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