Deutschlands Dieselskandal ist ein Drama ohne Ende: die Verhaftung des Audi-Chefs Rupert Stadler, das erste Fahrverbot auf einigen Straßenabschnitten in Hamburg, dem weitere in anderen Städten folgen könnten, und zudem das lange Warten auf politische Entscheidungen. All das strapaziert die Geduld der Dieselfahrer.

Adnan Halilagic aus Esslingen hat entschieden, sich von seinem Auto zu trennen. Er ist eingefleischter BMW-Fahrer, will aber versuchen, seinen Turbodiesel von BMW xDrive auf eBay zu verkaufen: Zulassungsjahr 2011, mehr als 200.000 Kilometer gefahren. Zunächst hatte er den Wagen für 12.350 Euro inseriert, der Neupreis bei Serienausstattung lag damals bei 38.190 Euro. "Der ist in perfektem Zustand, neue Reifen, unfallfrei, der ist jeden Cent wert, den ich dafür haben will", sagte Halilagic. Aber er ahnte schon, dass es im Großraum Stuttgart "vielleicht schwierig" werden könne, diesen Preis auch durchzusetzen. Auch in Stuttgart droht ein Fahrverbot für Diesel. Wenig später senkte Halilagic seine Kaufpreisforderung auf 10.999 Euro.

Unbeliebter Diesel

Wertentwicklung für drei Jahre alte Gebrauchtwagen (Diesel und Benziner) in Prozent vom Listenneupreis.

Quelle: Deutsche Automobil Treuhand (DAT) © ZEIT-Grafik

Dass der Zentralverband des Deutschen Kfz-Gewerbes (ZDK) behauptet, gebrauchte Euro-5 Dieselfahrzeuge seien zurzeit "kaum zu verkaufen", lässt Halilagic nicht gelten. "Das klappt schon", sagt er zuversichtlich. Das Problem: Er ist nicht allein. Derzeit werden allein auf eBay mehr als 120 Diesel der Marke BMW angeboten. Insgesamt sind dort mehr als 1000 Dieselfahrzeuge zum Verkauf inseriert.

Nach Angaben der Deutschen Automobil Treuhand (DAT), die Daten über Fahrzeugwerte erhebt, lagen die Gebrauchtfahrzeugpreise von drei Jahre alten Diesel-Pkw im April bei 53,2 Prozent des ehemaligen Listenneupreises. Vergleichbare Benziner kamen auf 57,9 Prozent. Es ist also statistisch nachweisbar, dass viele Dieselbesitzer ihr Auto gerade jetzt loswerden wollen – was auf die Preise drückt. Immerhin haben im vergangenen Jahr 17 Prozent der Neuwagenkäufer und 20 Prozent der Gebrauchtwagenkäufer angegeben, dass sie ihren bis dahin gefahrenen Diesel aus Angst vor drohenden Fahrverboten oder Wertverlust abgestoßen hätten.

Viele Händler nehmen inzwischen keine gebrauchten Diesel mehr in Zahlung

Die Händler stöhnen. Dem ZDK zufolge wird mehr als die Hälfte aller Gebrauchtwagenhändler einen Diesel nur noch los, wenn sie zehn bis 50 Prozent Nachlass gewähren. Der Diesel-Anteil bei den Neuzulassungen hat nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamts im Mai nur noch bei 31,3 Prozent gelegen, das ist deutlich weniger als ein Jahr zuvor. Nach Angaben der DAT nehmen viele Autohändler bereits keine Dieselwagen mehr in Zahlung. Ein Frankfurter Händler von VW-Dieselfahrzeugen ist sauer: "Die Leute sollen einfach weiter Diesel fahren, neue Diesel kaufen, Euro 6 – wenn es hart auf hart kommt, werden die vom Anbieter gegen Benziner getauscht."

Einige Hersteller bieten noch Umstiegsprämien an, wenn Kunden ihre ganz alten Diesel (Euro 1 bis Euro 4) stilllegen und ein neues Fahrzeug kaufen. Je nach Modell zahlten die Hersteller dann bis zu 2000 Euro. Doch die meisten Angebote dieser Art waren zeitlich befristet und galten nur bis Ende Juni.

Das Geld für einen Neuwagen hat nicht jeder. "Ich habe jedenfalls keinen Goldesel daheim", wetterte ein Autofahrer auf einem der Blogs, auf denen Dieselfahrer derzeit ihre Wut ablassen: "Kauft mir meinen alten Diesel für einen anständigen Preis ab, und dann kaufe ich mir ein Auto, was zurzeit noch sauber ist, nach der aktuellen Norm!"

Aber was ist ein anständiger Preis? Mehr als 80 Prozent der Autofahrer informieren sich erst mal im Internet. Dort gibt es zwei Kategorien von Portalen: Die besten Prognosen liefern Websites, die jene Preise erfassen, zu denen Händler Gebrauchtwagen ankaufen. Weniger präzise sind solche, die den Durchschnittspreis angeben, zu dem Verkäufer ihre Wagen zum Verkauf anbieten. Illusorisch sind nach Angaben zahlreicher Nutzer die Angaben von www.wirkaufendeinauto.de. Wer auf die hohen Preisangaben reagiert und mit seinem Wagen zur Prüfstelle der Händler fährt, erhält dort dann nach Inspektion des Wagens oft ein deutlich niedrigeres Preisangebot. Verlässlichere Angaben machen demgegenüber der Autodatenspezialist Schwacke und die DAT in ihrer Datenbank für Gebrauchtwagen.