DIE ZEIT: Mit neun Jahren wolltest du die Welt retten. Warst du ein größenwahnsinniges Kind?

Felix Finkbeiner: Ich war eher unwissend. Ich hatte keine Vorstellung davon, was ich mir da vorgenommen hatte. Ein paar Freunde und ich hatten damals einfach diese Idee. Wir dachten, wir können das Weltklima retten, wenn genug Kinder Bäume pflanzen. Und dann haben wir damit angefangen.

ZEIT: Entstanden ist der Verein Plant-for-the-Planet durch ein Schulreferat. Wie aber wurde daraus eine so große, weltweit beachtete Organisation?

Felix: Dafür haben wir selbst gar nicht viel getan. Unsere Klassenlehrerin hat uns mit der Idee zur Schulleitung geschickt, so haben immer mehr Kinder davon erfahren und mitgemacht. Ältere Schüler haben uns eine Website gebaut, und plötzlich waren auch Kinder anderer Schulen dabei. Sie haben sich geradezu einen Wettkampf geliefert, wer die meisten Bäume pflanzt. Das weitete sich immer stärker aus. Geholfen hat auch, dass schon übers erste Baumpflanzen in der Zeitung berichtet wurde.

ZEIT: Die Erwachsenen sind die Bestimmer – in der Politik, zu Hause, überall. Können Kinder wirklich die Welt verändern?

Felix: Na klar! Kinder können eine Menge schaffen. Aber natürlich hatten auch wir Hilfe von Erwachsenen. Das müssen gar keine einflussreichen Leute sein. Anfangs haben unsere Eltern uns unterstützt – und meine sind weder berühmt, noch haben sie wichtige Jobs.

ZEIT: Inzwischen hören euch auch Politiker und reiche Unternehmer zu. Wie schafft man es, dass sie Kinder ernst nehmen?

Felix: Wenn man will, dass Erwachsene einem zuhören, darf man nicht lange reden, man muss einfach direkt etwas tun. Dann müssen sie nämlich reagieren. Und man sollte sich mit anderen Kindern zusammentun. Wenn man einem Wirtschaftsboss sagt: "Guten Tag, ich bin Felix. Bitte spenden Sie Geld, damit ich Bäume pflanzen kann", sagt der vielleicht: "Schöne Idee, aber kein Interesse." Wenn ich aber sage, "Guten Tag, mein Name ist Felix und ich stehe hier als Vertreter von 100.000 Kindern in Deutschland, die etwas gegen die Klimakrise tun wollen. Wir brauchen Ihre Hilfe, um Bäume zu pflanzen", dann muss er dich ernst nehmen.

ZEIT: Findest du, Kindern wird genug zugehört?

Felix: In unserer Initiative gibt es Kinder, die Vorträge halten und über den Klimawandel aufklären. Kürzlich hat Jana, eine unserer Botschafterinnen, einen Vortrag vor einigen Wirtschaftbossen gehalten. Später stand in der Zeitung: Zwölfjährige stiehlt dem Chef der Deutschen Bank die Show. Also ja, Kindern wird zugehört. Aber es könnte mehr sein.

ZEIT: Du bist der Mann der guten Ideen. Hast du eine, wie das gelingen könnte?

Felix: Die Regierung könnte zum Beispiel einen Kinderbeirat ins Leben rufen, mit dem sie sich regelmäßig trifft. Diese Kinder würden dann stellvertretend für alle jungen Menschen im Land ihre Meinung sagen.

ZEIT: Worin sind Kinder besser als Erwachsene?

Felix: Ich glaube, wir sind besser im Loslegen. Erwachsene quasseln oft ewig herum und machen sich zu viele Gedanken und Sorgen.

ZEIT: Hast du denn nie an deiner Idee gezweifelt?

Felix: Nein, nie! Bäume pflanzen ist richtig und wichtig, dagegen kann niemand etwas sagen. Aber es gab schon Momente, in denen ich frustriert war. Zum Beispiel, wenn bei einer Klimakonferenz mal wieder nichts vorwärtsging. Aber dann muss man erst recht weitermachen.

ZEIT: Als du neun warst, wolltest du eine Million Bäume pflanzen, heute bist du 20 Jahre alt und hast auf 1000 Milliarden Bäume erhöht. Klingt ein wenig verrückt. Muss man das sein, um die Welt zu ändern?

Felix: Nein, das ist eine einfache Rechnung: Auf der Erde gibt es im Moment 3000 Milliarden Bäume, und es wäre Platz für bis zu 600 Milliarden weitere. Dafür müsste man 1000 Milliarden Bäume pflanzen, denn es überleben ja nicht alle. Wir haben uns also kein verrücktes Ziel gesetzt, sondern uns einfach nur viel vorgenommen. Das ist sicher nicht falsch, wenn man auf der Welt wirklich was ändern will. Und 15 Milliarden haben wir ja schon geschafft.