Hamburg war wohl der vorerst letzte G20-Gipfel, auf dem noch einstimmig der Multilateralismus gepriesen wurde – jedenfalls im Abschlussdokument. In der Hansestadt einigten sich die Staats- und Regierungschefs aus 19 Ländern und die Vertreter der EU im Juli 2017 auf eine Erklärung, in der viel von "Gemeinsamkeit" die Rede ist: "Gemeinsam" wollten sie eine "vernetzte Welt gestalten", durch "gemeinsames Handeln" mehr erreichen. Fast flehentlich beschwört das Papier, dass eine global koordinierte Politik und viele kleine Kompromisse am Ende allen Ländern nützen.

Offiziell waren sich damals in Hamburg alle einig, sogar Donald Trump. Der neue US-Präsident hatte sich zwar während des Gipfels strikt geweigert, das Pariser Klimaschutzabkommen gemeinsam mit den anderen zu loben. Doch in der Wirtschafts- und vor allem in der Handelspolitik ließ sich Trump von den anderen Chefs einfangen. Gemeinsam mit ihnen versprach er: "Wir werden die Märkte offen halten", "Protektionismus bekämpfen" und "ein gedeihliches Umfeld für Handel und Investitionen" schaffen. Viele Regierende hofften daher kurzzeitig, dass Trump seine Tiraden über die Ausbeutung der USA durch den Rest der Welt vielleicht doch nicht so ernst meint. Und dass er langsam, wenn schon nicht im Stil, so doch im Verhalten, einer von ihnen werden würde, ein Multilateralist.

Heute ist klar, dass das Gegenteil geschah. Schon kurz nach dem Gipfel begann der US-Präsident, seinen Handelspartnern immer wüster zu drohen, damit sie die Exporte in die USA drosseln. Seine Regierung behindert seither die internationalen Organisationen, die über die Welthandelsregeln wachen. Und durch einseitige Zölle hat die US-Regierung in den vergangenen Tagen einen Handelskrieg mit China und der EU begonnen. Die Hamburger Abschlusserklärung war also tatsächlich kaum das Papier wert, auf dem sie steht.

Ob damit auch die Zeit solcher Gipfel endgültig vorbei ist? Noch gibt es sie, das nächste Treffen der G20 soll Ende des Jahres in Buenos Aires stattfinden. Kritiker tun das bereits als Geldverschwendung ab. Die Gesamtkosten des Hamburger Gipfels sind noch nicht beziffert, sie dürften bei mehr als 100 Millionen Euro liegen.

Die Befürworter verweisen hingegen darauf, dass so immerhin einmal im Jahr weltweit über die politische Gestaltung der Globalisierung diskutiert werde. Dass die Regierungschefs miteinander redeten. Und dass während des Gipfels öffentlich klar werde, wo die Weltgemeinschaft gerade stehe.

Und noch etwas loben sie: G20 sei auch ein Prozess, der lange vor dem Gipfel beginne und lange danach andauere. Durch Treffen der Regierungsmitarbeiter, der Wirtschaft (B20), der Gewerkschaften (L20), der Stiftungen (F20) und Thinktanks (T20) würden internationale Debatten am Leben gehalten, neue Ideen bekannter und Lösungen gefunden: Beispielsweise um die Finanzarchitektur sicherer zu machen, die Digitalisierung zu regeln oder die Arbeitsbedingungen entlang der globalen Lieferketten besser zu kontrollieren.