Es war ein exklusives Arrangement. Im Londoner Flagship-Store von Victoria Beckham hing für wenige Tage neben neuester Mode ziemlich Altes: Ein Selbstporträt des Malers Ferdinand Bol von 1647 in lässig drapierter Pelzstola. Das Bildnis eines venezianischen Edelmannes, geschaffen vom Malerfürsten Peter Paul Rubens. Eine wunderschöne Lady im Gewand der Renaissance, ein Werk aus dem Umkreis Leonardo da Vincis. 16 Bilder insgesamt. Sammelt nun also auch "Posh Spice" alte Meister, nachdem im Herbst 2017 da Vincis Salvator mundi vom Auktionshaus Christie’s zum teuersten Bild der Welt geadelt wurde?

Die Antwort hat tatsächlich mit dem italienischen Malerstar zu tun – aber anders. Sotheby’s als ebenfalls großer Versteigerer setzt auf eine ähnliche Strategie wie zuvor sein Konkurrent Christie’s. Dort wurde der Salvator mundi geschickt modernisiert. Historische Gemälde verkaufen sich nämlich etwas schleppend, die meisten Sammler suchen Anschluss an den Zeitgeist. Also posierte in New York während der Vorbesichtigung wie zufällig Leonardo DiCaprio vor dem Bild. Ein Coup, der das Werk mit Prominenz auflud.

Für London setzt Sotheby’s auf die Designerin und Stil-Ikone Victoria Beckham – und auf ihre edle Boutique, die zeigt, wie gut sich alte Meister auf rauem, gegenwärtigem Beton machen. Beckham erzählte, die New Yorker Frick Collection habe ihr die Augen für die Schönheit solcher Porträts geöffnet. Es sei ihr erster Besuch gewesen. Das hätte sie einfacher haben können, denn auch die National Gallery in London besitzt eine großartige Sammlung. Ob Beckhams PR-Einsatz die alte Kunst wieder lebendig macht, wird sich Anfang Juli zeigen. Dann bietet Sotheby’s die Bilder zu Preisen zwischen 300.000 und vier Millionen Pfund an.