Man hört ihm seine Herkunft an, wenn er das "Ich" zum "Isch" verschleift. Man sieht sie ihm an. Omids Eltern flohen in den Achtzigern aus dem Iran, landeten in einer Sozialwohnung in Bonn. Sie glaubten an den Aufstieg durch Bildung. Ihr Sohn schaffte ihn. Abitur, Studium in Jena und Vancouver, Praktikum bei einer Bank. Kein Spaß, kein Angebot. Die Schwester erzählte ihm von Teach First.

Teach Forst an eine Brennpunktschule

Der gemeinnützige Verein schickt besonders geeignete Uni-Absolventen für zwei Jahre an eine Brennpunktschule. Die Fellows sollen Lehrer unterstützen und Verantwortung lernen. Omid wird im August 2016 an die Kepler-Schule geschickt. Er trifft auf Drogendealer, prügelnde Schüler und Kollegen, die nichts mit ihm anfangen können. Und bleibt trotzdem. Kümmert sich um Technik und Klassenfahrten, unterrichtet Mathe und Englisch. Die Kollegen bitten ihn, zu bleiben.

Wer in Berlin Quereinsteiger werden möchte, muss ein Mangelfach vorweisen. Es folgen 18 Monate Referendariat und die Staatsprüfung. Omid entscheidet sich für Mathe. Ein Fach, in dem er Abschlussklassen unterrichtet, für das er Vertretungslehrer sein dürfte. Im Herbst 2017 betritt Omid die Zentrale Bewerbungsstelle der Senatsverwaltung für Bildung. Der Beamte hinter dem Schreibtisch sagt: Nein. Er schlägt Omid vor, an einer Berufsschule mit Wirtschaft einzusteigen und dann als Mathelehrer an die Kepler-Schule zu wechseln. Doch der will nicht monatelang weg sein und sich auf Berufsschulen spezialisieren. "Da wäre ich wieder der Außenseiter, der nichts verändern kann."

In einem Land mit Lehrermangel will ein junger Mann mit Migrationshintergrund ein Mangelfach unterrichten, und zwar dort, wo der Mangel am größten ist – an einer Brennpunktschule. Und darf nicht. Das wirft Fragen auf: Wie kann das sein? Wer sollte Quereinsteiger werden? Was muss er können? Sollte nicht die Schule auswählen?

"Lehrer wie Herrn Aleyasin will man als Schulleiter haben."
Moritz Dreher, Rektor an der Kepler-Schule in Berlin-Neukölln

Interview-Anfrage an die Bildungssenatorin. Deren Sprecherin bittet, die Fragen schriftlich zu schicken. Allerdings: Zu Einzelfällen werde sich die Senatorin nicht äußern. Sie äußert sich auch sonst kaum. Die Antwort ist fast eine Kopie der offiziellen Anforderungen an Quereinsteiger. Beinahe alle Fragen werden ignoriert. Wie viele Quereinsteiger arbeiten in Berlin? Wieso darf ein Vertretungslehrer ein Fach unterrichten, für das er als regulärer Lehrer nicht zugelassen wäre? Müssten angesichts dessen nicht die Kriterien für Quereinsteiger überarbeitet werden?

Die Senatorin schweigt. Andere reden.

"Lehrer wie Herrn Aleyasin will man als Schulleiter haben", sagt Moritz Dreher. Motivation, Migrationshintergrund, Mangelfach. Seit drei Jahren ist Dreher hier Rektor. Sein Traumjob. "Ich wollte eine Schule, an der ich etwas verändern kann." Den Wunsch nach Veränderung sieht man ihm an. Anzug, randlose Brille. "Ein Statement." Dafür, dass vieles gut laufe.