Herr Aleyasin, sagt Moritz Dreher, sei ein Vorbild für die Schüler. Omid sagt: "Ich wohne hier, ich spreche ihre Sprache." Er überlegt kurz. "Das hört sich idealistisch an, aber die haben es verdient. Auch die, die von der Polizei abgeholt werden."

Nach der ersten Absage spricht Omid mit Teach First, einem Anwalt und dem Bundestagsabgeordneten für Neukölln. Er wendet sich an die Berliner Schulaufsicht, die ihm vorschlägt, über das Fach Wirtschaft, Arbeit und Technik einzusteigen. Den Vorschlag lehnt die Bewerberstelle Anfang 2018 ab. Teach First ist machtlos. Der Anwalt muss sondieren. Der Abgeordnete schreibt die Verwaltung an, besucht den Unterricht von Omid. "Herr Doktor Felgentreu war von der Qualität meiner Arbeit überzeugt."

Das Büro des Abgeordneten Fritz Felgentreu liegt im Süden Neuköllns, am Lipschitzplatz. Vor einem Café sitzen Männer in Jogginghose und Blaumann. Das Café heißt Happiness. Die Gäste sehen nicht so aus. Nebenan bietet ein Familienzentrum Grundschülern Hausaufgabenhilfe und ein warmes Mittagessen an. Für 50 Cent und ohne Schweinefleisch.

"Ich hätte es dem jungen Mann gegönnt. Er macht das wirklich gut."
Fritz Felgentreu, Bundestagsabgeordneter

Fritz Felgentreu beobachtet die Szenerie durch die Glasfront seines Büros. Er dreht sich um. "Haben wir noch die E-Mail?" Seine Sekretärin reicht ihm ein Papier. Felgentreu liest: "Hier ist auch keine abweichende Entscheidung möglich." – "Schade", sagt die Sekretärin. Felgentreu nickt. "Ich hätte es dem jungen Mann gegönnt. Er macht das wirklich gut."

Der Bundestagsabgeordnete war selbst Quereinsteiger, unterrichtete Latein und Altgriechisch. Felgentreu ist Altphilologe. Er sieht auch so aus. Rote Hose, runde Hornbrille. Der Typ Lehrer, den Schüler respektieren, sogar mögen. Zumindest an einem humanistischen Gymnasium. Die Kepler-Schule ist anders.

"Eine Hardcore-Neuköllner-Kiez-Schule" nennt Felgentreu sie. Er kennt die Probleme und das Potenzial. "Tolle Lage, engagierte Lehrer. Ich verstehe, dass bei Herrn Aleyasin der Funke übergesprungen ist." Zumal der ein emotionales Verständnis für die Schüler habe. "Sie respektieren ihn, zugleich ist er ihnen so ähnlich, dass er Role-Model werden könnte."

"Schulleiter sollten mehr Freiheit haben, Lehrer auszuwählen. Das wäre der beste Weg."
Fritz Felgentreu, Bundestagsabgeordneter

Könnte. Vielleicht auch: müsste. Doch das mag Fritz Felgentreu nicht fordern. Er findet lieber: "Schulleiter sollten mehr Freiheit haben, Lehrer auszuwählen. Das wäre der beste Weg." Nicht nur für seinen Wahlkreis. "Unsere Kieze sind Integrationslabore für ganz Deutschland." Einwanderung, Deindustrialisierung und nun die Flüchtlinge. "Bisher wurden gesellschaftliche Probleme zu Hause von Muttern aufgefangen. Jetzt landen sie in der Ganztagsschule." Vor dem Fenster marschieren Kita-Kinder. Helle Haut, dunkle Haut. Fritz Felgentreu sieht die Zukunft.