Man muss mit dem ersten Buch der Bibel beginnen, Mose 2, 23, als Adam, beim Anblick Evas, sagt: "Die endlich ist Gebein von meinem Gebein und Fleisch von meinem Fleisch." Moderner ausgedrückt: "Endlich! Sie ist es!" Was dann folgte, war die erste Ehe der Menschheitsgeschichte.

Michael Schrezenmaier mit Gott zu vergleichen wäre anmaßend, also beschreibt man einfach, was er tut: Von Berlin-Kreuzberg aus will Schrezenmaier noch mehr solcher Adam-und-Eva-Ehen schmieden, er verkuppelt ihre Nachkommen: Christen. Schrezenmaier ist einer der Chefs von Spark Networks, einer, der, wenn man zum Telefoninterview verabredet ist, anruft und sagt: "Unseren Kunden sagen wir ja auch immer, dass sie den ersten Schritt machen müssen ..." Spark Networks, das 2017 aus dem Zusammenschluss der Affinitas GmbH mit Spark Networks Inc. entstand und im selben Jahr an die Börse ging, hat sich auf Nischen im Dating-Portal-Geschäft spezialisiert. Das Unternehmen bietet unter anderem Online-Dating-Plattformen für Christen und Juden an, Christian Mingle und Jdate heißen die, weiter gibt es die App JSwipe fürs Smartphone. Spark Networks rühmt sich, in den USA für mehr christliche Eheschließungen verantwortlich zu sein als jede andere Online-Partnerbörse.

"Wir fragen nicht ab, ob die Mitglieder Kirchensteuer zahlen", sagt Schrezenmaier in Bezug auf Christian Mingle. Es ist scherzhaft gemeint. Und ja, der Makrotrend für Europa sei, dass immer mehr Menschen aus der Kirche austreten, "aber man muss zwischen Institution und Werten unterscheiden", sagt er. "Ich kenne Leute, die aus der Kirche austreten und ihr Kind trotzdem taufen lassen." Trotzdem ziehe der Name Christian Mingle in christlich geprägten Ländern wie Polen oder den USA mehr als hierzulande.

Für den deutschen Markt heißt die Plattform Christian Singles – und ist dort nicht allein: Auch auf Webseiten wie Christ sucht Christ und himmlisch-plaudern.de können sich Christen registrieren, die nicht ausschließlich auf die sonntäglichen Kirchenbänke vertrauen wollen. Bei Christ sucht Christ schreibt ein erfolgreich verkuppeltes Paar: "Gott nutzt mitunter auch diese Wege, um deine Gebete zu erhören."

Diejenigen, die solche Angebote nutzen, sind nicht auf schnellen Sex aus. Praktisch geht es darum, die Mutter der zukünftigen Kinder zu finden oder, übersinnlich gesprochen, den Seelenverwandten. Um die richtigen Schlagworte weiß auch der Marketing-Direktor von Spark Networks, er lässt mitteilen: "Wir freuen uns sehr, (...) unserem Ziel näherzukommen, Christen weltweit ihrem Seelenverwandten vorzustellen."

Im vergangenen Jahr verzeichnete Spark Networks insgesamt 8,5 Millionen neue Registrierungen, 2,3 Millionen entfielen auf Nordamerika. Wie viele Nutzer Christian Mingle genau hat, will Schrezenmaier nicht verraten, nur so viel: Größter und wichtigster Markt seien die USA.