© Random House / DVA

1 (–) Steven Levitsky/ Daniel Ziblatt: Wie Demokratien sterben
A. d. Engl. v. Klaus-Dieter Schmidt; Deutsche Verlags-Anstalt; 320 S., 22,– €

Demokratien sterben mit einem Knall oder mit einem Wimmern – wobei das Sterben mit einem Wimmern üblicher ist. Und gefährlicher, weil die Bürger erst aufwachen, wenn es zu spät ist. Mit Blick auf die USA, Lateinamerika und Europa zeigen die Politologen Levitsky und Ziblatt, wie demokratische Prozesse ausgehöhlt werden. Und sie sagen, was wir tun können, um solche Entwicklungen zu stoppen. 115 Punkte


© Rowohlt

2 (1) Siri Hustvedt: Die Illusion der Gewissheit
A. d. Engl. v. Bettina Seifried; Rowohlt; 416 S., 24,– €

Was ist der Verstand? Wie unterscheidet er sich vom Körper? Kann der Verstand auf Neuronen im Gehirn reduziert werden – oder nicht? In ihrem Essay nimmt sich die amerikanische Schriftstellerin Siri Hustvedt des uralten Geist-Körper-Problems an und verdeutlicht, wie jede Lösung unser Verständnis von uns selbst beeinflusst und wie man mit diversen Bewusstseins-Theorien Verstand und Körper neu denken kann. 58 Punkte


© Matthes & Seitz

3 (2) Eva Meijer: Die Sprachen der Tiere
A. d. Engl. v. Christian Welzbacher; Matthes & Seitz; 167 S., 28,– €

Die Philosophin Eva Meijer beschreibt tierische Kommunikationsformen. Sie wechselt dabei von wissenschaftlichen Anekdoten zu Analysen, von persönlichen Erlebnissen zu philosophischen Reflexionen. Die Laute von Hunden, Delfinen oder Elefanten beschreibt sie ebenso wie das körperliche Kommunizieren von Ameisen und Bienen. Ziel ist eine völlig neue Verständigung zwischen Mensch und Tier. 48 Punkte


© Reclam

4 (5) Thomas Bauer: Die Vereindeutigung der Welt
Reclam; 98 S., 6,– €

Was haben das Verschwinden von Apfelsorten, das Auftreten von Politikern in Talkshows, religiöser Fundamentalismus und der Kunst- und Musikmarkt miteinander gemeinsam? Die These von Thomas Bauer: Überall wird Vielfalt reduziert, Unerwartetes und Unangepasstes zurückgedrängt. Der Arabist zeigt auf, was passiert, wenn wir diesen fatalen Weg weiter beschreiten. 41 Punkte


© Hanser

5 (–) Isolde Charim: Ich und die Anderen
Paul Zsolnay Verlag; 224 S., 22,– €

Wir leben in einer pluralisierten Gesellschaft. Jede Kultur steht neben anderen, es gibt keine selbstverständliche Zugehörigkeit mehr. Doch was genau ist eine pluralisierte Gesellschaft? Die Wiener Philosophin Isolde Charim erklärt deren Bezug zur Gemeinschaft und den politischen Fundamentalismus. Ihre Forderung: Wir müssen akzeptieren, dass es keine einheitlichen Identitäten und Bezugsgrößen gibt. 40 Punkte


© Random House / btb

6 (–) Karl Ove Knausgård/ Fredrik Ekelund: Kein Heimspiel
A. d. Schwed. v. Ulrich Sonnenberg; btb Verlag; 640 S., 16,– €

Der Schriftsteller Karl Ove Knausgård sitzt mit Frau, vier Kindern und Hund zu Hause im schwedischen Schonen. Er schaut Fußball und schläft vor dem Bildschirm ein. Der Krimi-Autor Fredrik Ekelund ist derweil in Brasilien, wo er am Strand die WM schaut. Es entstand ein Buch, in dem die beiden den Fußball für Reflexionen über Leben und Tod, Kunst und Politik, Klasse und Literatur nutzen. 36 Punkte


© Suhrkamp

7 (–) William T. Vollmann: Arme Leute
A. d. Engl. v. Robin Detje; Suhrkamp; 317 S., 22,– €

Dieser Reportage-Essay dokumentiert William T. Vollmanns Begegnungen mit armen Menschen – von Kambodscha bis Afghanistan, von Japan bis in den Kongo, von Irland bis in den Jemen. Der Autor ist ein Insektenforscher unter den Menschenjägern, macht daraus ein Forschungsprojekt, wägt ab und bewertet. Er baut aus einem Kaleidoskop genauer Betrachtungen eine Theorie der Armut, illustriert mit eigenen Fotos. 34 Punkte


© Suhrkamp

8 (7) Jens Hacke: Existenzkrise der Demokratie
Suhrkamp; 452 S., 26,– €

Zwischen den Weltkriegen geriet die Demokratie in die Krise. Kommunismus und Faschismus boten alternative Modelle. Jens Hackes brillante ideengeschichtliche Studie führt vor Augen, wie sich in den 1920er-Jahren Ideen entwickelten, die heute wieder Konjunktur haben: die Totalitarismustheorie, das Konzept der wehrhaften Demokratie und die Vorstellung von einem gezähmten Kapitalismus. 31 Punkte


© Campus Verlag

9 (–) Donna Haraway: Unruhig bleiben
A. d. Engl. v. Karin Harrasser; Campus; 315 S., 32,– €

Was kommt nach dem Menschen? In Donna Haraways Büchern wimmelt es von Cyborgs, Primaten, Hunden und Tauben, die Grenzen zwischen Mensch, Maschine und Tier verschwimmen. Die feministische Theoretikerin ruft das Zeitalter des Chthuluzän aus, das nicht – wie im Anthropozän – den Menschen ins Zentrum stellt, sondern andere Kreaturen wie Oktopusse, Korallen oder Spinnen. 30 Punkte


© Wagenbach Verlag

9 (–) Horst Bredekamp: Berlin am Mittelmeer
Klaus Wagenbach Verlag; 176 S., 18,– €

Berlin gilt als eine Stadt, die sich immer wieder neu erfunden hat – nach dem Aufstieg zur preußischen Residenz, der Reichseinheit, dem Ende des Kaiserreichs, den Verwüstungen des Zweiten Weltkriegs und nach dem Fall der Mauer. In dem essayistischen Spaziergang deckt der Kunsthistoriker Horst Bredekamp ungeahnte Verbindungen zwischen Berlin und dem antiken Rom auf. 30 Punkte


Jedes Jury-Mitglied der Sachbuch-Bestenliste vergibt monatlich an vier Sachbücher je einmal 15, 10, 6 und 3 Punkte.