Von den vielen Geheimnissen der Werbung ist das schönste das Geheimnis der Verbreitung. Eine gute Werbekampagne für, sagen wir, Brotdosen geht schnell viral. Sie ist also ansteckend. Wie die Grippe. Einer infiziert den anderen, und am Ende haben alle dasselbe. Im Fall der Grippe hohes Fieber und im Fall der Werbung die Brotdose. Leider weiß man nicht, wann eine Kampagne viral geht und warum.

Interessanterweise sind auch Werber nicht immun gegen Ansteckung. Von manchen Kampagnen lassen sie sich selbst infizieren und verbreiten dieselbe Botschaft weiter. Was dazu führt, dass die unterschiedlichsten Dinge mit demselben Spruch beworben werden. Dabei grassiert derzeit besonders oft: mein Ding.

So zeigt die Zigarettenmarke Camel Plakate mit bärtigen Hipstern und dem Spruch "Do your thing", auf Deutsch: "Mach dein Ding". Das fordert auch die Duale Hochschule Baden-Württemberg in einer Zeitungsanzeige: "Mach Dein Ding!" Ich weiß nicht, wer sich hier bei wem angesteckt hat, aber was mein Ding ist, bestimme immer noch ich. Ihr Werber sagt zwar, dass ich mein Ding machen soll, tatsächlich aber soll ich euer Ding machen, und mit machen meint ihr stets: kaufen. Das ist nicht nett. Die Initiative Handarbeit fordert auch "#MachDeinDing2018", aber da soll ich etwas nähen, also wirklich etwas machen, und das ist ja noch ganz lustig. Hagebaumarkt hatte den Spruch übrigens auch mal, vor vielen Jahren, vielleicht ist das der mythische Patient null dieser viralen Werbeinfektion.

Mit "Buch dein Ding!" wirbt Holidaycheck für Urlaubsreisen. Dazu reitet ein lachender bärtiger Mann auf einem Gummischwimmtier, das an den Clownfisch aus Findet Nemo erinnert, über eine Poollandschaft. Das scheint sein Ding zu sein, meins ist es nicht. Abgesehen davon ist "Buch dein Ding" bereits eine Variante des Originals. Das Werbevirus mutiert also. Wahrscheinlich ist es zu spät, sich noch impfen zu lassen.