Kleiner Kerl, großer Verdruss: So sieht es aus für das Auktionshaus Sotheby’s, das die 40 Zentimeter große Marsfigur gern am 4. Juli versteigert hätte. Gewonnen haben alle anderen in diesem Streit, der vergangene Woche durch die deutsche Kulturlandschaft tobte – unter anderem die Bayer AG, der die Figur gehört. Dabei hatte das Auktionshaus den Katalog für das fein gearbeitete Objekt bereits gedruckt, die Erwartungen beliefen sich auf drei bis fünf Millionen Pfund. Denn der kriegerische Bronzegott stammt von einem prominenten Künstler: Jean de Boulogne, genannt Giambologna, schuf während der Renaissance herausragende Kunstwerke. Zu seinen wichtigsten Auftraggebern zählten die Medici. Solche Details steigern den Wert, brachten dem Mars aber auch mehr Beachtung als von Sotheby’s und Bayer gewünscht. Denn die Aufmerksamkeit sorgte vor allem für Protest.

Deutsche Experten und Museumsdirektoren kritisierten den geplanten Verkauf, darunter Marion Ackermann, Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. In ihrem Haus war der Mars drei Jahrhunderte lang zu Hause, bevor man ihn im Rahmen der Fürstenabfindung 1924, bei der Vermögen der Fürstenhäuser beschlagnahmt wurde, aus der Sammlung nahm. Die Statuette gelangte auf den Kunstmarkt, wurde von einem Privatmann ersteigert und 1988 der Bayer AG für ihre große Kunstsammlung geschenkt. Ackermann appellierte an das Unternehmen, sich diese Geste nun zum Vorbild zu nehmen: Der Mars gehöre nach Sachsen.

Andere kritisierten, dass die Figur nicht auf der Liste der nationalen Güter stehe, die laut Kulturgutschutzgesetz Deutschland seit 2017 nicht mehr verlassen dürften. Wenn es ein Objekt gebe, das den Status verdiene, dann doch wohl dieses. Doch in Deutschland ist die Figur schon seit knapp zwei Jahren nicht mehr, für eine Ausstellung erfolgte die Ausfuhr in die Schweiz. Das neue Gesetz, sagt ein Sprecher von Kulturstaatsministerin Monika Grütters, habe an diesem Fall nichts mehr ändern können. Allerdings hätte auch damals schon ein "solch bedeutendes Objekt von den zuständigen Stellen in NRW bereits als national wertvoll eingetragen werden können und müssen, um eine Ausfuhr zu verhindern".

Auch Monika Grütters selbst mischte sich in den Streit ein und stellte kurzfristig eine Million Euro zur Verfügung für den Ankauf. Die Kulturstiftung der Länder schloss sich an, ebenso die Ernst von Siemens Kunststiftung und die Dresdner Kunstsammlungen, deren Häuser für die nächsten zwei Jahre auf ihren Ankaufsetat verzichten. Und der Leverkusener Konzern, eben noch von Grütters gerügt, dass er ein "national wichtiges Kunstwerk zum Höchstpreis" verkaufen wolle, lenkte zahm ein: Er zog den Mars zurück und verkauft ihn nach Dresden. London blieb ohne göttlichen Beistand.