Angela Merkels neues Credo lautet ja, Deutschland dürfe nicht "unilateral", "unabgestimmt" und "zulasten Dritter" handeln. Jogi Löw, der gute Deutsche, hat das bereits umgesetzt. Das Scheitern seiner Kicker in der Vorrunde der WM hat er bilateral mit Südkorea vercoacht – zum Nutzen von Schweden und Mexiko. Ein ähnlich guter Deutscher war Boris Becker bereits vor Credo-Verkündigung. Seine Beziehungen führte Becker immer eher multilateral; bei der legendären Zweckentfremdung der Besenkammer kam er den Reinigungskräften nicht in die Quere; und bis heute handelt er nie zulasten der Boulevardmedien. Bobele, 1,90 Meter Deutschland nach dem Geschmack der Kanzlerin.

Aber der beste Deutsche, den Deutschland derzeit zu bieten hat, ist ein Bayer. Horst Seehofer hat seinen Aufstand gegen die Kanzlerin mit weiteren CSU-Superstrategen zuerst abgestimmt und dann geführt. Geschadet hat das Team damit nicht anderen – nun ja, abgesehen von der Demokratie und dem Ansehen der Politik vielleicht –, sondern dem eigenen Verein. Sich selbst im Kollektiv und nach Plan in die Tonne rammen – CSU, ein Stück Deutschland, wie die Kanzlerin es mag.