Er wird sich entscheiden, an diesem Donnerstag. Er wird öffentlich verkünden, was aus den katholischen Schulen in Hamburg wird. Arbeitet sein Erzbistum Hamburg mit der Schulgenossenschaft zusammen, die sich nach den Sparankündigungen im Januar gegründet hatte? Suchen sie gemeinsam einen Weg, um acht von der Schließung bedrohte Schulen retten zu können? Oder lehnt sein Erzbistum das Angebot der Genossenschaft ab?

Es ist eine große Entscheidung, die Erzbischof Stefan Heße treffen muss. Es ist eine schwere Entscheidung. Es ist eine Entscheidung, die, allem Anschein nach, negativ ausfallen wird. Die Kirche, die eigentlich dazu da ist, Menschen Hoffnung zu geben, wird die Hoffnungen vieler Menschen in Hamburg wohl enttäuschen. Stefan Heße wird aller Wahrscheinlichkeit nach der Einschätzung seiner kirchlichen Gremien folgen, die ihm geraten haben, kein Risiko einzugehen. Es nicht zu probieren. Von einer Kooperation mit der Genossenschaft Abstand zu nehmen. Wenn er das tut, wird die katholische Kirche viele ihrer engagiertesten Mitglieder wütend stimmen und verletzen.

Wie konnte es nur so weit kommen? Und wer trägt die Schuld an dieser Situation, die die Gemeinde der Katholiken in dieser Stadt spalten könnte?

Stefan Heße empfängt in einem Besprechungszimmer am Mariendom. Er hat nicht viel Zeit. Heße ist Sonderbeauftragter der Kirche für Flüchtlingsfragen, gleich hat er deshalb eine Telefonkonferenz, aber 25 Minuten nimmt er sich, um zu erzählen, wie er die Lage sieht.

Das Erzbistum Hamburg muss sparen, und zwar drastisch. Das verkündete es im November des vergangenen Jahres. Es hat Schulden von knapp 80 Millionen Euro, bis 2021 könnten sie auf über 350 Millionen Euro ansteigen. Die Schulen machte es als einen großen Kostenfaktor aus. Wenigstens fünf, wahrscheinlich acht der 21 Einrichtungen müssten geschlossen werden, verkündeten Vertreter des Bistums im Januar. Es gebe keine andere Möglichkeit. Das empfanden viele Katholiken anders. Erzbischof Heße sagt, er habe es immer als gutes Zeichen gesehen, dass Menschen auf die Straße gingen und für den Erhalt der Schulen demonstrierten. "Es wäre doch viel schlimmer, wenn sie gesagt hätten: Alles egal."

Sie sagten nicht: Alles egal. Sie sagten: Das kann doch nicht wahr sein! Warum ausgerechnet die Schulen? Der einzige Ort, an dem die katholische Kirche in der säkularen Stadtgesellschaft präsent ist? Sie protestierten laut. Und sie schlossen sich zusammen, mit dem festen Willen zu helfen. Eine Genossenschaft wollten sie gründen, von möglichst vielen Hamburgern Geld einsammeln, mit dem Erzbistum kooperieren, ein Vorbild sollte das Konzept werden für Bistümer in ganz Deutschland.

Warum soll das nicht klappen, Herr Erzbischof?

Während er antwortet, blickt Stefan Heße ausdruckslos an die Decke. Er wirkt angeschlagen, weil ihm, wie er sagt, die Idee einer Zusammenarbeit zwischen einer Privatinitiative und dem Bistum als aussichtsreich erschienen sei. Allerdings müsse nun, nach Monaten des Verhandelns, klar gesagt werden: Ist ein Bündnis realistisch, oder ist es das nicht? Da gehe es um Fragen der Finanzierung, um Fragen des Rechts, des Bauens, um Schulkonzepte. Und die Vertreter aus den kirchlichen Gremien, die sich mit den Plänen der Genossenschaft auseinandergesetzt haben, hätten ihm gesagt, die Ampel stehe eher auf Rot als auf Grün. Eine Lösung, sagt der Erzbischof, dürfe nun mal nicht "husch, husch" sein. Sie müsse auf Jahrzehnte tragfähig sein.

Ein Anruf bei einem Vertreter der Gremien. Manfred Bruhn ist seit vielen Jahren Mitglied des Kirchensteuerrates, der sich mit den Finanzen des Bistums beschäftigt. Bruhn arbeitet bei einer Bank, seit über vierzig Jahren betreut er sehr vermögende Privatkunden, Stiftungen und kirchliche Einrichtungen. Warum hat er gegen eine mögliche Zusammenarbeit des Bistums mit der Genossenschaft gestimmt?