Die Eigenwerbung klingt gut. "Der christliche Glaube ist die Grundlage unseres Wirkens", versprechen Schulen des Erzbistums Hamburg auf ihrer Homepage, man wolle "gemeinsam Gott und die Welt entdecken". Doch nach den Intrigen der letzten Wochen und Monate um die katholischen Schulen stellt der kritische Beobachter erschüttert fest: alles nur hohles Gerede. Die Spitzen des Erzbistums, allen voran Erzbischof Stefan Heße und sein Generalvikar Ansgar Thim, hatten offenbar zu keiner Zeit ein Interesse oder gar den Willen, Hamburgs katholische Schulen in ihrer Gesamtheit zu erhalten.

Stattdessen bekräftigen sie jetzt ihre heiß umstrittene Entscheidung vom Jahresanfang, Schulen zu schließen. Nach monatelangen Gesprächen sagt Erzbischof Heße am 27. Juni, sechs kirchliche Gremien hätten eine weitere Zusammenarbeit mit der Retterinitiative "Hamburger Schulgenossenschaft" abgelehnt. Als Vorlage hatten diese Gremien allerdings nur ein Schreiben von Ansgar Thim, in der er der Initiative schwere Vorwürfe machte. Ein direktes Gespräch zwischen Kirchengremien und der Initiative lehnten er und der Erzbischof ab.

Zur Vorgeschichte: Alles begann mit dem Gutachten einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, die eine deutliche Unterdeckung in der Finanzierung der katholischen Schulen feststellte. Daraufhin verfielen Stefan Heße und Ansgar Thim in Panik und verkündeten zur vollkommenen Überraschung der Hamburger Katholiken am 19. Januar, es würden demnächst fünf von 21 katholischen Schulen in Hamburg geschlossen, drei weitere erhielten eine Gnadenfrist. Bei den fünf Schulen verfügten sie einen sofortigen Aufnahmestopp für neue Schülerinnen und Schüler. All dies unternahmen sie, ohne mit dem Hamburger Schulsenator oder der Gesamtelternvertretung der Schulen oder ihren 184.000 Gemeindemitgliedern in Hamburg gesprochen zu haben. Besonders bemerkenswert war, dass drei der betreffenden Schulen im strukturschwachen Harburg liegen, während die Schulen in wohlhabenderen Bezirken der Stadt nicht betroffen sind.

Wenig später trat eine Initiative zur Rettung der Schulen auf den Plan, warb Spendenzusagen in Millionenhöhe ein und versuchte immer verzweifelter, mit den Kirchenfürsten ins Gespräch zu kommen. Erst nach Demonstrationen, an denen teilweise 5000 Eltern und Schüler teilnahmen, konnte sich die Kirche zu einem solchen Schritt durchringen. Eingaben beim Schulsenator der Stadt oder bei wohlhabenderen deutschen Bistümern mit der Bitte um Hilfe unterblieben weiterhin. Mitte Juni wurde schließlich – eher widerwillig – ein Pilotprojekt für den Erhalt von drei Schulen zwischen dem Erzbistum und der Initiative verabredet.

Dann kam Ende Juni der Schock: Sechs kirchliche Gremien hätten die weitere Zusammenarbeit mit der Initiative abgelehnt, verkündete der Erzbischof ohne weitere Begründung. Durchgesickert ist, dass sein Generalvikar mit unsachlichen, wenig schmeichelhaften Äußerungen über die Initiative und deren Macher – hoch angesehene Hamburger Bürger – seine Gremien gefüttert hat und ihr negatives Votum kräftig beförderte: Es habe kein tragfähiges finanzielles Konzept vorgelegen; das Ganze sei ein Täuschungsmanöver, um die Schulen aus der Struktur des Bistums zu entfernen.

So geht die katholische Kirche in Hamburg zugrunde. Denn die Schulen sind der Nährboden des Katholizismus in der Diaspora. Hier entsteht das kirchliche Leben, hier wächst der Glauben der kommenden Generationen. Zwar: Wirtschaftliche Not lässt sich nicht leugnen. Aber: Die arrogante und intrigante Exekution einer in Panik und ohne wirtschaftlichen Sachverstand getroffenen Entscheidung lässt nun die Katholiken Hamburgs verstört und einsam zurück.

Warum agiert das Erzbistum so? Aus Angst, Macht abzugeben durch eine gemeinsame Führung der Schulen? Aus Angst, mit Sachverständigen aus den Gemeinden die eigenen Entscheidungen nochmals zu prüfen und vielleicht gar zu revidieren? Aus Angst, Fehler zuzugeben?

Christlich wäre es, all dies mit den Betroffenen selbstkritisch zu diskutieren und solidarische Lösungen auszuloten. Denn Christen sind Brückenbauer, keine Brückenwächter. Und eine zentrale Botschaft des Neuen Testaments lautet: Fürchtet euch nicht! Wer aber aus Furcht Schulen schließt und seine Gemeinde heimatlos macht, reißt Brücken ein und wird bald vor leeren Kirchenbänken predigen.