Als ich zum ersten Mal auf einer Harley saß, wusste ich: Das isses! Ich war damals in Kalifornien zu Besuch, und ein alter Freund nahm mich mit auf eine Motorradtour. Heute bin ich Direktor meines eigenen Chapters, so nennt man die Harley-Verbände. Dank der Chapters bin ich auf der ganzen Welt vernetzt. Alleine Motorrad zu fahren macht nämlich keinen Spaß. Und zu wissen, dass man selbst in San Diego oder in St. Petersburg Freunde hat, tut gut.

Zu meinem Chapter gehören 50 Leute, unter ihnen sind Kieferorthopäden, Tischler und Haustechniker, ich selber war bis zum Ruhestand Textilkaufmann; normale Leute eben, die meisten haben wenig Geldsorgen. Harleys sind ja auch ein teures Hobby: Allein die Maschine kostet an die 20.000 Euro, und danach schmückt man sie auch noch aus. Jede Harley ist ein Unikat, da schraubt jeder etwas anderes an. Chrom ist besonders beliebt, das glänzt wie blöd und sieht toll aus.

Vor allem aber muss eine Harley laut sein, das muss pöttern! Deswegen wird als Allererstes auch der Auspuff abmontiert und durch einen ersetzt, mit dem man über zwei eingebaute Schalldämpfer den Motorenlärm regulieren kann. Wenn die Polizei in der Nähe steht, drossle ich diesen herrlich kernigen Sound. Denn wenn wir zu laut sind, gibt es Ärger.

Die Vibrationen machen das Erlebnis aus – das schüttelt ja so richtig auf einer Harley. Wer schnell sein will, ist hier falsch, Harleys fahren sich eher wie Trecker. Wenn wir sonntags gemeinsam cruisen, dann fühlt sich das an wie eine Spazierfahrt. Meine Frau sitzt immer hinter mir, liest die Karte und sagt, wo es langgeht. Darin ist sie so gut, dass ich sie liebevoll "mein Navigationsbär" nenne. Inzwischen haben wir fast das ganze Land rund um Hamburg entdeckt – den besten Kuchen gibt es auf einem Bauernhof in Müden!

Die Debatte um die Anhebung der EU-Zölle macht mir keine Angst: Ich habe schon eine Harley, die ersetze ich so schnell nicht. Harley-Davidson hat außerdem versprochen, dass die Preise nicht steigen werden.

Wir Harley-Fahrer sind keine Rocker, in Gaststätten und Hotels sind wir sogar ganz gerne gesehen, denn wir essen und trinken viel. Eigentlich können wir ja besser feiern als fahren. Einmal wurde ich sogar von der Polizei erwischt, als ich nach einer Party alkoholisiert nach Hause wollte. Mit 1,14 Promille – allerdings war ich da mit dem Fahrrad unterwegs.

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