Alles an Bengt ist eklig: Der Bauch, die Arme, die Beine, das Kinn – ja sogar die Haare sind dick. Und dick, das ist eklig. Und weil eben alles an ihm so furchtbar eklig ist, lassen ihn die anderen Kinder nie mitspielen. Vollkommen logisch. Darüber darf man ruhig ein bisschen weinen, nur schönreden, wie Mama und Papa es tun, kann man diese Tatsache nicht. Findet Bengt.

Achteinhalb Jahre ist er alt und erzählt uns in ganz einfachen Worten und kindlicher Logik, wie es sich anfühlt, wenn man ausgelacht und schikaniert wird. Es ist Sommer, keine Schule, und die drei anderen Kinder im Haus spielen oft miteinander im Hof. "Nur ich nicht", sagt Bengt. Dabei würde er das zum Durchdrehen gern tun, "und einmal bin ich wirklich durchgedreht. Da saß ich in meinem Zimmer auf dem Boden, und ganz plötzlich fing ich an zu heulen und schlug mir so fest ich konnte auf den Kopf."

Gewalt führt oft zu mehr Gewalt. Doch in diesem Fall trifft sie nicht diejenigen, die zuerst ausgeholt, losgeschlagen, verletzt haben. Bengt richtet all seine Trauer und Wut gegen sich selbst. Wie soll er sich schon gegen Astrid, Allan und Gustav behaupten. Drei gegen einen, das ist so unfair wie aussichtslos. So wandelt er sein Ohnmachtsgefühl in Hass auf sich selbst. Nicht die drei sind falsch, er ist es: "Die anderen Kinder waren ziemlich oft gemein zu mir. Vielleicht, damit ich nicht vergaß, wie eklig ich war."

Die schwedische Autorin Frida Nilsson braucht keine zwei Seiten, um uns Bengts Leid spüren und mitfühlen zu lassen. Das ist schwer auszuhalten, doch zum Glück hat er uns bereits im zweiten Satz von einem "besten Freund" erzählt. Wir wissen also: Er bleibt nicht allein. Rettung naht. Und an einem Tag, an dem Astrid, Allan und Gustav dem Jungen mal wieder besonders übel mitspielen, taucht er auf: Jagger. Ein in jeder Hinsicht besonderer Typ.

Die drei anderen Kinder haben Bengt im Müllraum eingesperrt, wo er stundenlang auf dem harten Boden hockt und friert und weint, bis irgendwann Jagger die Tür öffnet – ein Hund, der im Abfall nach Essensresten suchen will.

Jagger ist ein sehr menschlicher Hund: Er spricht, geht aufrecht und trägt Kleider. Und er ist ganz und gar unansehnlich: Das Fell ist schmutzig, die Augen sind rot unterlaufen, die Hinterpfoten hat er in alte Zeitungen gewickelt. In einem Einkaufstrolley sammelt er ein, was er an essbaren Resten im Müll findet, um sie später in seinem Zuhause zu verspeisen.

Wobei dieses Zuhause in Bengts Augen kein Zuhause ist. Jedenfalls kein normales. Jagger lebt am Fluss in einem rostigen Container, er schläft auf alten Kartons zwischen Dreck und Müll. Wenn es etwas Gutes an Jaggers Hütte gibt, dann dass sie nur zehn Minuten von Bengts Zuhause entfernt ist.