Mit Andrew Sean Greer um die Welt

Der Schriftsteller Arthur Weniger hatte in seinem Briefkasten eine Hochzeitseinladung gefunden: Sein Ex-Freund wird einen anderen Mann heiraten. Ein Schock. Und dann steht auch noch bald sein 50. Geburtstag an: "Arthur Weniger ist der erste Homosexuelle, der alt wird. So zumindest kommt es ihm in Momenten wie diesem vor." Weniger beschließt deshalb, wegzulaufen. Seine Route führt ihn von seiner Heimat San Francisco über New York, Mexiko, Piemont, Berlin, Paris, Marokko und Indien nach Kyoto, er findet auf seiner großen Fahrt neue Lover und alte Feinde, feiert Erfolge und beweint Niederlagen, und wir Leser reisen mit diesem liebenswürdigen, verunsicherten Mann um die Welt und sehen sie durch seine Augen. Die Märkte in Mexiko-Stadt, die Sandstürme Marokkos, die Currywurstbuden Berlins, "wo Türken Niespulver auf frittierte Hot Dogs sieben", und die Stadt New York, in der acht Millionen Menschen wohnen, von denen jedes Mal ungefähr drei Millionen stinksauer seien, "weil man sich ihr neues Stück nicht angesehen hat, eine Million stinksauer, weil man sich nicht gemeldet hat, um Sex zu haben, aber nur fünf tatsächlich Zeit haben, einen zu treffen".

Der Roman Mister Weniger, der dieses Jahr mit dem Pulitzer-Preis für Fiction ausgezeichnet wurde, handelt vom Älterwerden als Mann, von der Liebe, von gutem Essen und Sex. "Du hast das Glück eines Komikers", sagt ein alter Bekannter zu Weniger: "Pech in Dingen, die unwichtig sind. Glück in den wichtigen Dingen." Vom selben Glück wie sein Protagonist ist auch der Roman gesegnet – wenn es um den hässlichen Kleinkram des Lebens geht, kann Greer fies zulangen wie ein betrogener Ex-Freund. Wenn es um die großen Fragen geht, dichtet er hingegen liebevoll und hoffnungsfroh wie ein Frischverliebter.
Lars Weisbrod

Andrew Sean Greer: "Mister Weniger." Aus dem Englischen von Tobias Schnettler; S. Fischer, Frankfurt/Main 2018; 336 S., 22,70 €