Wer kennt ihn nicht, den typischen Kreislauf des Sommers? Man ist draußen. Man isst draußen – und trinkt. Und dann muss man.

Aber das kann eng werden. Denn die nächste öffentliche Toilette ist weit entfernt. Und es ist nicht jedermanns Sache, nach dem Picknicken oder Grillen zu allem entschlossen den nächstbesten Laden oder das nächstbeste Café in Parknähe zu stürmen.

Auch führen die allerwenigsten Hamburger mobile Toiletten mit sich. Also passen manche ihren Aufenthalt im Freien zwangsweise dem Durchhaltevermögen ihrer Blase an. Das bedeutet, dass sie an netten Draußentagen drei- bis viermal in ihre Wohnung zurückkehren und mehr Zeit in Bus und U-Bahn verbringen als im Park. Andere erleichtern sich dort gleich im Gebüsch – und kehren furchtbar fluchend und ihre Schuhe abwischend zur Grillparty zurück, weil vor ihnen schon wiederum andere auf dieselbe Idee kamen. Es gibt Hamburger, die halten ein, bis sie sich vor Schmerzen krümmen, oder verlassen ihre Wohnung mit der rettenden Toilette gar nicht mehr, um die Toilettenlosigkeit der Stadt heftig im Internet zu beklagen.

Willkommen auf der Schattenseite unserer Draußenkultur! Wo es schlicht an öffentlichen Örtchen mangelt, nützen auch Websites wie "Gratispinkeln" oder der Internet-Toilettenfinder der Stadtreinigung – auch in der beliebten App enthalten – nur wenig. Ein Geheimtipp in Hinsicht WC-Dichte ist allenfalls der Ohlsdorfer Friedhof: Er verfügt über vorbildlich gepflegte und gut erreichbare Toiletten. Aber ist das ein hinreichender Grund, sich nur noch dort im Freien aufzuhalten?

Tatsächlich räumte im vergangenen Jahr die Umweltbehörde ein, dass das Angebot an öffentlichen Toiletten "dramatisch schlecht geworden" sei. Zumal die öffentlichen WCs früher von vielen unterschiedlichen Stellen – Bezirke, Behörden, Landesbetriebe oder Hochbahn – unterhalten wurden. Dieser Missstand soll sich ändern. Seit Januar 2017 betreibt die Stadtreinigung etwas mehr als die Hälfte der 225 öffentlichen Toiletten in Hamburg und stellt außerdem hier und da neue, hochmoderne Toilettenhäuser auf, mit WLAN, Elektrotankstelle, Wasserspender und Reifenaufpumpstation. Auch die alten Toiletten sollen moderner und attraktiver werden, barrierefrei und so lange geöffnet, dass es auch nach dem romantischen Abendessen am Elbufer kein Bauchgrimmen gibt.

Allerdings: 225 Toiletten sind nicht allzu viele, und einen festgeschriebenen Schlüssel für das Aufstellen öffentlicher Toiletten im Stadtgebiet gibt es nach wie vor nicht. Zudem ist das Toilettenbudget der Stadt eng begrenzt.

Eine Lösung könnten günstigere, mobile Toiletten sein. Nein, nicht die von Baustellen oder schlammigen Musikfestivals bekannten Dixi-Klos, sondern Unisex-Toiletten, in denen sich ein Behälter findet, der Urinal, Steh- und Sitz-WC in einem ist. Das erste gemischte WC dieser Art steht nun am Rissener Ufer. Da diese Toilettenform im Gegensatz zu Dixi-Klos allerdings Wasser-, Abwasser- und Stromanschluss benötigt, ist sie gerade für Parks weniger geeignet.

Dort ist die Strategie der Stadtreinigung, so Sprecher Reinhard Fiedler, zunächst einmal, die zwar vorhandenen, aber teilweise in Kiosks oder Restaurants versteckten öffentlichen Toiletten besser auszuschildern: "Die Betreiber haben oft kein Interesse, das zu tun", sagt Fiedler, "denn wenn mehr Leute die Toilette benutzen, macht ihnen das nur mehr Arbeit."