Wer Kunst sammelt, hütet seine besten Schätze daheim, hängt sie an die Wand und genießt die Eroberungen allein. Das ist die Regel. Einige Sammler aber gibt es, die laufen mit ihren exquisiten Eroberungen draußen herum: Sie tragen sie am Arm, um den Hals, am kleinen Finger. Ihr Sammeleifer gilt einer Nische des Kunstmarkts, dessen Merkmale lauten: selten, originell – und teuer.

Bis zum 9. September hat das Pariser Musée des Arts Décoratifs derzeit solchen Künstlerschmuck ausgestellt, 230 Beispiele aus der Sammlung der Französin Diane Venet. Top-Stücke leuchten aus den Vitrinen: ein knallroter Armreif, kombiniert aus Silber und Lack, des italienischen Avantgardekünstlers Lucio Fontana. Eine exotisch anmutende Maske Optic Topic des Fotografen und Objektkünstlers Man Ray, mattgold schimmernd, mit einem symmetrischen Lochmuster beinahe an das Sichtfenster einer Burka erinnernd. Eine Brosche, halb Uhr, halb Löffel, des surrealistischen Meisters Salvador Dalí.

Immer lockte diese Künstler, ihre Kreativität in der räumlichen Dimension auszuprobieren. Teils sind die Exponate Unikate, teils stammen sie aus Kleinstauflagen. Allesamt nach den mal präzis, mal eher genial hingeworfenen Zeichnungen der Genies von Goldschmieden hergestellt. Nicht unbedingt musste Edelmetall eingesetzt werden, es durfte auch Emaille sein, wie die braune Nana der Französin Niki de Saint Phalle beweist, aber unerlässlich ist der Überraschungseffekt im Entwurf.

Im Katalog berichtet die Sammlerin Diane Venet: "Meine Leidenschaft begann an jenem Tag, als ein gewisser Bernar Venet einen feinen Draht aus Silber um meinen linken Ringfinger wickelte." M. Bernar wurde ihr Ehemann, die Sammelei nahm ihren Lauf. Damit ist Venet nicht allein: Auch in Deutschland wird Künstlerschmuck gesucht und gekauft.

Mit Geschmack, Geschick und guten Kontakten hat sich Diana Küppers einen Namen gemacht. Die Rheinländerin sammelt, handelt seit Jahrzehnten und beobachtet aktuell: "Seit etwa fünf Jahren hat dieses Segment ordentlich Schwung aufgenommen", dank verschiedener Ausstellungen und spezieller Auktionen. Einmal im Jahr schickt sie den von ihr betreuten Sammlern eine Broschüre mit neuen Objekten, zum Teil von lebenden Künstlern. Da gibt es Armreife und Ohrclips von Claude Lalanne, häufig in Blütenform, manche nennen diesen Stil leicht kitschig. Ganz das Gegenteil sind die Arbeiten von Alexander Calder, etwa strikt geometrische Ringe des amerikanischen Bildhauers, auch weniger verspielt als seine berühmten Mobiles. Ringe werden für circa 30.000 bis 60.000 Euro angeboten, Broschen für circa 60.000 Euro. Als Einziger der Schmuck-Freunde griff Calder übrigens selbst zum Hämmerchen.

Jüngst wieder enorm angesagt sind Schmuckstücke von Nagelkünstler Günther Uecker. Seine Ringe oder Armreife – an Magnetsplitter in Gold erinnernde Kleinskulpturen – finden verstärkt Abnehmer, Preise zwischen 15.000 und 30.000 Euro gelten als angemessen. Nach wie vor gefragt ist Max Ernst, seine schrägen Masken mit ausgestochenen Augen aus massivem Gold, auffallend und eigenartig. Absolut unerschwinglich sind Arbeiten von Lalique, dem Vorreiter der Moderne, oder auch Stücke von Louise Bourgeois; Broschen, die ihre berühmte Spinnenskulptur nachahmen – echte Raritäten.

Küppers’ Repertoire kennt und schätzt auch Stefanie Busold. An einem sommerlichen Nachmittag deutet die Hamburgerin bei sich daheim auf ein Tablett, groß wie ein Kopfkissen. Darauf türmen sich Schachteln, Kästchen, Schatullen aus Leder sowie Beutel aus dunklem Samt. Stefanie Busold sammelt seit 25 Jahren, es ist einiges zusammengekommen für die Repräsentantin des Berliner Auktionshauses Villa Grisebach in Hamburg und Norddeutschland. Immer schon war sie von der Goldschmiedekunst der alten Azteken fasziniert; eine ihrer ersten Erwerbungen war daher eine Brosche von Jean Cocteau, dem französischen Maler und Regisseur, die sie im Baseler Tinguely-Museum entdeckte: ein Trapez mit dem typisch Cocteauschen Fischauge, umrahmt von einer geometrischen Girlande. Trifft sie Kunden oder besucht sie Vernissagen, trägt sie unauffällige Schnittkleider – und dazu etwas, das blitzt und glänzt, denn sie sammelt nicht, um den Schmuck im Tresor zu verschließen, sondern um sich daran zu freuen, am besten täglich.