Vor einem Jahr ist das umstrittene Prostituiertenschutzgesetz (siehe Kasten) in Kraft getreten. Marcus Weinberg, der frauenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, hat das Gesetz mit entwickelt, die Sexarbeiterin Josefa Nereus ist davon direkt betroffen.

DIE ZEIT: Herr Weinberg, was soll das Prostituiertenschutzgesetz erreichen?

Marcus Weinberg: In diesem Gewerbe gibt es viel Fremdbestimmung, viel Gewalt, viel Elend. Die Aufgabe des Staates ist es, die Schwachen zu schützen. Wir können uns aber nur um sie kümmern, wenn wir wissen, dass es sie gibt. Durch die Anmeldepflicht bekommen die fremdbestimmten Prostituierten einen Zugang zum Hilfesystem. Man wird natürlich nicht sagen können, ihre Anzahl hat sich dadurch um so und so viel Prozent reduziert. So einfach ist das nicht. Aber wenn nur eine Frau, die aus der Prostitution aussteigen will, davon profitiert, hat es sich schon gelohnt.