Für viel Aufregung sorgt derzeit die Nachricht von den mehr als 2.300 Kindern, die an der Grenze zu Mexiko von ihren Eltern getrennt wurden. Bilder und Tonaufnahmen gehen um die Welt. Sie dokumentieren die Angst und das Leid der Familien, die sich als Flüchtlinge vor allem aus Mittelamerika auf den Weg in die USA gemacht haben und nun dort inhaftiert sind. Was zwischen all den Emotionen bislang allerdings unterging: Amerikanische Rüstungskonzerne, Organisationen und Gefängnisbetreiber machen mit der Inhaftierung von Migranten und Flüchtlingen ein gutes Geschäft. Schon jetzt werden damit in den USA Milliarden Dollar jährlich umgesetzt – und es dürften noch weit mehr werden.

Dahinter steckt eine "Null-Toleranz-Politik", mit der Präsident Donald Trump Flüchtlinge von der Einreise abhalten will. Im Kern bedeutet sie: Wer illegal die US-Grenze überquert und dabei erwischt wird, kommt ins Gefängnis. Selbst wenn der Betroffene gute Aussichten hat, später Asyl oder eine Aufenthaltsgenehmigung zu erhalten. Maßnahmen wie die Trennung von Eltern und Kindern, die der Präsident inzwischen wieder aufgehoben hat, sollen besonders abschreckend auf die Menschen wirken.

Trump führt mit dieser Strategie nur fort, was seine Vorgänger im Amt George W. Bush und Barack Obama begonnen hatten. So ist über das vergangene Jahrzehnt ein Netz von Hunderten Einrichtungen im ganzen Land entstanden, in denen Migranten und Flüchtlinge oft Jahre auf ihr Verfahren warten. Sie werden von Großkonzernen, gemeinnützigen Organisationen und Kommunen betrieben, und sie sichern diesen Staatsaufträge in Millionenhöhe. ICE, wie sich der Grenzschutz abkürzt, nimmt nach eigenen Angaben jährlich 300.000 bis 500.000 Menschen in Haft.

Wo Migranten inhaftiert sind

Die harte Einwanderungspolitik nützt Haftanstalten auf dem gesamten Gebiet der USA.

Quelle: arados xpmethod.plaintext.in/torn-apart © ZEIT-Grafik

Zu den Profiteuren des Systems der massenhaften Inhaftierung gehört unter anderem MVM. Der Sicherheitsdienst, der bis 2008 die Bewachung von Einrichtungen der US-Geheimdienste CIA und NSA im Irak übernommen hatte, erhält für den Transport von "unbegleiteten minderjährigen Ausländern" 171 Millionen Dollar von der US-Heimatschutzbehörde, wie aus den Behördendatenbanken hervorgeht.

Auch General Dynamics, besser bekannt für seine U-Boote und gepanzerten Fahrzeuge, macht Geld mit Migrantenkindern. Für den Rüstungskonzern ist das nichts Neues. Als Trumps Vorgänger Obama mit einer Welle von Zehntausenden minderjährigen Flüchtlingen aus Ländern wie Honduras, Guatemala und El Salvador konfrontiert wurde, lagerten die Behörden viele der Aufgaben wie Unterbringung, ärztliche Versorgung und Transport an private Unternehmen aus. General Dynamics etwa erhielt laut Reuters 13 Millionen Dollar für Verwaltungs- und IT-Dienstleistungen.

Auf Anfrage der ZEIT teilte der Konzern mit, man habe seit dem Jahr 2000 Aufgaben in den Bereichen Koordination, Training und Verwaltung im Zusammenhang mit der Betreuung unbegleiteter Minderjähriger übernommen. Bei der Trennung von Familien habe das Unternehmen keine Rolle gespielt.

Viele Kinder, meist Teenager, machen sich auch gleich ohne ihre Eltern auf den Weg in die USA. Sie fliehen vor Armut oder gewalttätigen Banden und Drogenkartellen in ihren Heimatländern. Für mehr als einen Reisenden reicht das Geld oft nicht. Während Obamas Amtszeit kamen Zehntausende Jugendliche ins Land. Sie sorgten vor allem bei Southwest Key Programs für rasantes Wachstum. Die gemeinnützige Organisation betreibt unter anderem die "Casa Padre", ein umgebautes Walmart-Einkaufszentrum in Texas, in dem 1.500 Jungen zwischen zehn und siebzehn Jahren untergebracht sind. Seit 2015 erhielt Southwest Key Programs 955 Millionen Dollar über staatliche Aufträge.