Richtig pervers wird es bei den Endprodukten, auf denen kein Strafzoll liegt. Während Harley mit verteuertem Stahl arbeiten muss, verliert es in der Heimat Marktanteile gegenüber Honda und Kawasaki, die in Japan billigeren Stahl verarbeiten. Verkauft werden weniger road kings und mehr Kawas. Gut für japanische Arbeiter, schlecht für die amerikanischen, die Trump hätscheln will. Um 140.000 US-Arbeiter in der Stahl- und Alu-Erzeugung zu schützen, gefährdet Trump 6,4 Millionen in der Verarbeitung. Um solche Eigentore zu erkennen, braucht Trump keinen Dr. oec., sondern nur einen Taschenrechner.

Dass die EU im Revanche-Foul Harleys, Bourbon und Jeans verteuert, folgt der gleichen perversen Logik. Die Produkte werden teurer in der EU und senken dort den Lebensstandard. "Wie du mir, so ich dir" befriedigt Wutgefühle, beschädigt aber die 500 Millionen EU-Bürger.

Das ist die perverse Logik des Handelskrieges. General Motors versteht sie. "Steigende Zölle können zu einer kleineren GM führen, einer geschrumpften Präsenz im In- und Ausland und zum Job-Verlust", schreibt das Unternehmen in einer Stellungnahme. Daimler & Co. haben das auch begriffen. Sie wollen den hohen EU-Autozoll (zehn Prozent) lieber auf null senken.

Für die EU gibt es nur einen vernünftigen Grund zur Vergeltung: um Trump zur Räson zu bringen. Dahinter steht ein inneramerikanisches Kalkül. Harley-Käufer gehören zur Trump-Klientel, genauso wie die Millionen Arbeiter in der Stahl verarbeitenden Industrie. Großunternehmen wie GM können ausweichen und hinter den EU-Zollmauern produzieren. Aber der kleine Mittelstand, etwa die American Keg Company, die in Pennsylvania Stahlfässer für Kneipen herstellt, wird wegen der hochschießenden Stahlpreise aus dem Markt geworfen.

Hier geht es nicht um Ökonomie, sondern um Politik: Werden diese Trump-Wähler verstehen, was ihr Messias ihnen antut? Dass er sie verarmen lässt und arbeitslos macht?

Dass das Eigeninteresse obsiegt, ist nicht gegeben. Die Opposition, die nach links rutschende Partei der Demokraten, ist längst keine Freihandelspartei mehr. Die EU ist die letzte Bastion im Westen. Sie darf nicht blindlings Trump kopieren. Sie sollte vorsichtig mit den Folterwerkzeugen des Protektionismus hantieren – sie eher vorzeigen, als tief ins Fleisch des Gegners zu schneiden und sich damit selbst zu verstümmeln.

Es ist einfacher, einen Krieg zu beginnen, als ihn zu beenden. Im Kampf gegen den ökonomischen Wahn Trumps muss einer die kühle Vernunft bewahren. Der Handelskrieg kennt nur Verlierer.