I. Ordinäre Malerei

Ein blaues Muster auf weißem Porzellan ziert vielerlei Geschirr aus europäischen Manufakturen. Den Anfang machte 1739 Meißen mit der "ordinaire Mahlerey" oder "ordinair blau", dem "Zwiebelmuster" – dem missverstandenen chinesischen Vorbildern für Fruchtbarkeit und Langlebigkeit, Pfirsich und Granatapfel, nachgemalt. Ein Jahr später kam das "Strohblumenmuster" dazu. Und bald kopierten und imitierten die Porzellan- und Fayence-Manufakturen in Berlin, Frankenthal, Delft, Kopenhagen das erfolgreiche Blau-Weiß. Allerdings, wie Ludwig Schnorr von Carolsfeld anmerkte: "Die Blaumalerei unter Glasur hat in Meißen ebenso wenig wie in den übrigen deutschen Manufakturen eine hohe Stufe technischer oder künstlerischer Vollendung erreicht."

II. Für die Kaiser

Erfinder des Blau-Weiß sind die Chinesen, wohl bereits in der Tang-Zeit (618–907). Doch erst unter der mongolischen Yuan-Dynastie (1279–1368) gewann es einen Markt. Den Chinesen, die traditionell dem grünen Seladon Vorrang einräumten, galt es damals als fremd und vulgär. Doch das änderte sich unter den Ming-Kaisern (1368–1644), die das blau-weiße Porzellan mit Drachen, Phönix, Karpfen, Blüten, daoistischen Symbolen und Sinnsprüchen schätzten. Außerdem entwickelte es sich zum wertvollen Exportgut, zuerst nach Südostasien, Persien und in die arabischen Länder, bald durch Portugiesen und anschließend durch die Niederländer auch nach Europa.

III. So teuer wie Gold

Das Besondere des blau-weißen Porzellans ist, dass die Malerei in einem zweiten Brand durch eine durchsichtige Glasur versiegelt wird. Das gelang bis in das 18. Jahrhundert nur mit der blauen Farbe aus Kobaltoxid. Anfangs musste es aus Persien, Sumatra und Malaya importiert und mit Gold aufgewogen werden, ehe im späten 16. Jahrhundert auch in China Vorkommen entdeckt wurden. In Jingdezhen in der Provinz Jiangxi, dem Porzellan-Zentrum, produzierten kaiserliche Werkstätten außergewöhnliche Stücke allein für den Hof, während zahlreiche private Manufakturen große, weniger anspruchsvolle Serien arbeitsteilig für den Export fertigten.

IV. Geborgen aus einem Wrack

Auf dem Seeweg nach Batavia, damals dem wichtigsten Umschlagplatz für Handelsware aus China und Japan, verschwanden jedoch häufig Schiffe. Inzwischen wurden mehrere wieder entdeckt. So konnte 1983 Christie’s in Amsterdam erstmals 25.000 Porzellane aus einem solchen Fund versteigern. Ein Höhepunkt war dann im Dezember 2000 die Auktion von Nagel in Stuttgart mit 350.000 vorwiegend blau-weißen Porzellanen aus der 1822 vor Indonesien gesunkenen Dschunke Tek Sing. Allerdings handelte es sich vorwiegend um Gebrauchsware bescheidenen Wertes – die bis heute noch bei kleineren Auktionen oder auf eBay auftaucht. Da ist der Ruhm des chinesischen Blau-Weiß, das sich Potentaten wie August der Starke riesige Summen kosten ließen, nur noch Legende.