Als Jack Welch 1981 Chef des Mischkonzerns General Electric (GE) wurde, stand er vor einer Riesenaufgabe. Ein unübersichtliches, teils verlustbringendes Geflecht von Tochtergesellschaften musste neu ausgerichtet werden. Der GE-Chef verfuhr nach einer simplen Regel, für die er später berühmt wurde: "Fix it, sell it, close it". Entweder die Verluste werden gestoppt oder der Laden wird verkauft. Findet sich kein Käufer, wird zugemacht und abgewickelt. Vom "close it" war auch Opel nicht mehr weit entfernt im vergangenen Sommer. Dann fand sich im August der französische PSA-Konzern mit seinen Marken Peugeot Citroën und DS als Käufer. Zuvor hatte der Autobauer General Motors über 20 Jahre erfolglos am "fix it" von Opel herumgedoktert.

PSA-Chef Carlos Tavares erschien als Glücksritter, doch schon wenig später regierte er Opel wie längst schon PSA: Mit weniger Leuten sollten mehr Autos verkauft werden. Statt Kündigungen gab es tausendfache Abfindungen. Schon bald machte sich die Angst vor einem großen Aderlass breit. Verbunden mit der Sorge, dass Millionen Opel-Kunden künftig einen Peugeot in Opel-Hülle fahren.

Dafür sprechen auch die jüngst bekannt gewordenen und weit gediehenen Pläne, Teile des Opel-Entwicklungszentrums an einen noch unbekannten Käufer zu veräußern.

"Peugeots aus Rüsselsheim" würde als Strategie Sinn machen. PSA verkauft durch die Opel-Übernahme eine Million Autos mehr, den Beipack, etwa die teure Entwicklung, kann man einsparen. Tavares will schnelle Erfolge. Opel soll schon 2020 rund 400 Millionen Euro Gewinn machen, das entspricht zwei Prozent vom Umsatz. Langfristig fordert er sogar fünf Prozent. Mittlerweile hat der Betriebsrat immerhin dafür gesorgt, dass betriebsbedingte Kündigungen bis zum Juni 2023 ausgeschlossen werden.

Aber was heißt das schon? Der Ausverkauf der Entwicklung hat den Betriebsrat kalt erwischt. Am Ende hätte Opel kaum mehr als 11.000 Mitarbeiter. Die Opel-Entwicklung würde zur Micky-Maus-Abteilung schrumpfen. Wozu das führt, zeigen die neuen Autos Crossland X und Grandland X. Die technische Basis dieser Fahrzeuge kommt von Peugeot, an der Oberfläche glitzert ein bisschen Opel-Zierrat. Opel würde zum Goldesel für Tavares. Immerhin der Betriebsrat will sich wehren und kündigt an, das "Herz von Opel" zu retten.

Der Konzern wirkt längst blutleer. Kreative Köpfe wie der frühere Chef Karl-Thomas Neumann haben Opel verlassen. Unter Neumann ist die Neuauflage des Modells Insigna entstanden. Der Insigna ist eine echte Opel-Entwicklung, die von Kunden und von Autotestern hervorragend angenommen wird im Vergleich zu den PSA-Opel Crossland X und Grandland X. Der Braindrain der klugen Köpfe stoppte erst, nachdem der Betriebsrat nachträglich einen Abfindungsstopp mit dem Unternehmen ausgehandelt hatte. Doch es half nichts mehr. Opel verliert weiter Marktanteile. In Zukunft hat das Unternehmen wohl noch weniger Mittel, um eigene Autos zu bauen.

Ein Plan B wäre möglich gewesen. Danach würde man echte Opel in Rüsselsheim bauen. Auch wenn die Chancen klein gewesen wären, hätte man im nächsten Schritt sogar Opel-Technik an Peugeot liefern können.

Tavares aber entschied sich für eine andere Strategie. Mit ihm verliert Opel seine Seele. Der erzwungene Abfindungsstopp wird das kaum aufhalten, sondern raubt vielen Mitarbeitern lediglich die Chance zum Neuanfang.