Lange hatte man den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz nicht mehr so gelöst gesehen. Geradezu euphorisch, als nähme er schnell mal einen Wellness- Kurzurlaub von Kommunionsstreit und Kreuzdebatte, in der er doch ziemlich in die Defensive geraten war. In seiner Eigenschaft als Schirmherr von "72 Stunden" jedoch, dem neuen Projekt des Bunds der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), ist er wieder ganz in seinem Element. Zusammen mit Bundesfamilienministerin Franziska Giffey stellte er das Projekt der Öffentlichkeit vor – und war wieder ganz nah bei Franziskus und noch näher an der Basis.

Der BDKJ hat mit "72 Stunden" für das Jahr 2019 eine dreitägige bundesweite Sozialaktion ins Leben gerufen. Vorbild war da wohl der jüdische "Mizwa-Tag". Mizwa ist der hebräische Ausdruck für "gute Tat". In mittlerweile 22 Ländern gehen einmal jährlich junge Mitglieder der jüdischen Gemeinden für einen Tag in eine soziale Einrichtung, um zu helfen.

Die Christen machen drei daraus. Kardinal Marx weiß nur zu gut, dass die Kirche eine Glaubwürdigkeitskrise eher überwindet, wenn sie von Jugendlichen als soziale Instanz wahrgenommen wird. Und er weiß: Im jugendlichen Alter kränkt einen das Elend in der Welt noch persönlich, ist die Bekämpfung von Armut, Hunger, Unterdrückung und Naturzerstörung eine eigene Angelegenheit. Wo Ideale den Lebensplan vorzeichnen, da treffen sich Kirche und Jugend wieder. Der BDKJ ruft auf seiner Homepage Jugendliche dazu auf, Ideen und Beteiligungswünsche für eine soziale Aktion vor Ort einzubringen.

Der Verband hilft dann bei der Logistik. Das Geld für die Projekte müssen die jungen Leute allerdings selbst besorgen, indem sie nach Sponsoren suchen oder Spenden einholen. Zwei Arten gibt es, sich zu engagieren: In der "Do-it"-Variante schlagen die Teilnehmer dem Verband ein Projekt etwa mit Flüchtlingen oder in einem Altenheim vor. Der prüft es dann auf Machbarkeit und koordiniert es. In der Kategorie "Get-it" werden Hilfswillige, die kein eigenes Projekt haben oder noch ohne Mitstreiter sind, einer lokalen Initiative zugeteilt und mit den karitativen Verbänden vernetzt.

Man muss weder Christ noch Katholik sein, um an diesem Projekt mitzuwirken. Wenn es schließlich um Inklusion und soziale Teilhabe gehen soll, wäre es ja geradezu grotesk, Konfessionslose oder Jugendliche anderer Glaubensrichtungen auszuschließen. Marx betont, das Projekt heiße alle willkommen, die sich für eine "solidarische, offene und gerechte Gesellschaft" einsetzen. Nach dem Streit mit Rom ist das mal etwas anderes: Es ist auf jeden Fall ein Feld, auf dem der Münchner Erzbischof seinen Pontifex noch sicher hinter sich weiß.

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