Gut gelaunt kommt Franziska Weisz auf dem Fahrrad zum Interview in einem Café am Goldbekkanal. Die Schauspielerin hat an diesem Tag Geburtstag. Das Gespräch mit der ZEIT führt sie trotzdem ohne Eile, sie müsse anschließend sowieso zum "Tatort"-Dreh, sagt sie. Seit 2015 spielt Weisz die Ermittlerin Julia Grosz an der Seite von Wotan Wilke Möhring in "Tatorten" in Hamburg und Umgebung. Geboren und aufgewachsen ist die 38-Jährige in Österreich.

DIE ZEIT: Frau Weisz, spricht man in Österreich anders über Geld als in Deutschland?

Franziska Weisz: In Niederösterreich, wo ich herkomme, ist es nicht schick, mit Geld zu prahlen. Wenn man im Westen Österreichs einen Multimillionär fragt, wie es ihm geht, sagt er, "G’hörig", also: "Ist alles in Ordnung." Obwohl die Firma boomt, er vielleicht der drittreichste Mensch Europas ist. Da wird ganz viel Understatement betrieben.

ZEIT: Klingt hamburgisch. Sie drehen für den Tatort in Hamburg und Niedersachsen. Warum leben Sie nicht hier?

Weisz:Berlin ist die letzte Metropole, die man sich leisten kann. Ich habe in London studiert und es geliebt und gleichzeitig gehasst. Ich hatte kein Geld, war in vier Jahren zweimal im Kino, nie im Theater, wenn es hochkommt vier- oder fünfmal essen. Es ging nur ums Durchhalten, vier Jahre lang. Ich lebe in Berlin, weil das entspannt ist.

"Ich habe mit 13 beschlossen, finanziell unabhängig zu werden."
Franziska Weisz, Schauspielerin

ZEIT: Welches Verhältnis haben Sie zu Geld?

Weisz: Ich habe mit 13 beschlossen, finanziell unabhängig zu werden. Ich habe damals meine ersten Inserate geschrieben: "Ich will babysitten", und sie im lokalen Supermarkt aufgeklebt. Ich wollte meiner Mutter nicht auf der Tasche liegen. Sie war alleinerziehend mit drei Kindern.

ZEIT: Wie hat sie das gemacht?

Weisz: Wir wohnten im Wienerwald, in dem Haus, das meine Großeltern nach dem Krieg gebaut hatten, meine Großeltern im Nebenhaus im Garten. Meine Mutter war hochqualifiziert, eine der wenigen Frauen mit einem Eins-a-Uni-Abschluss in Wirtschaft. Sie wurde aber früh schwanger und konnte die Karriere, für die sie qualifiziert war, nicht verfolgen. Sie musste Jobs annehmen, die in der Nähe der Großeltern waren. Sie half in der Kita, die ich besuchte, damit sie vormittags bei mir sein konnte. Dann hatte sie einen Verwaltungsjob, meine Großeltern haben uns versorgt. Meine Mutter hat beruflich weit unter ihren Möglichkeiten gelebt, damit es uns gut geht.

ZEIT: Was hat das mit Ihnen gemacht?

Weisz: Ich glaube, es ist kein Zufall, dass mein Bruder, meine Schwester und ich in unseren Traumberufen arbeiten. Weil uns vorgelebt wurde, wie es anders sein kann. Unser familiärer Zusammenhalt und der Fleiß meiner Großeltern haben mich sehr geprägt. Und ich verschwende wirklich selten Geld: Meine erste Film-Gage habe ich ins Studium in England investiert.

"In mir herrschen zwei Grundkräfte: Freiheit und Sicherheit."
Franziska Weisz, Kommissarin im "Tatort"

ZEIT: Die Chance, dass man als Schauspielerin reich wird, ist eher gering. Warum haben Sie sich für diesen Beruf entschieden?

Weisz: Reich wollte ich nie werden. In mir herrschen zwei Grundkräfte: Freiheit und Sicherheit. In diesem Spannungsfeld bewege ich mich, schon immer. Ich weiß noch, als ich meiner Mutter sagte: "Ich werde internationale Betriebswirtschaft studieren." Meine Mutter so: "Kind, mach dich nicht unglücklich. Du bist doch so kunstinteressiert."