Man ist es ja bereits gewohnt. Ob Elphi, Stuttgart 21 oder der Flughafen BER – deutsche Großbauprojekte neigen dazu, ein Desaster zu werden. Sie dauern mindestens doppelt so lange wie geplant und kosten am Ende mindestens das Zehnfache. Kein Wunder also, dass manch Hamburger Badegast das Schlimmste befürchtete, als er von der anstehenden Sanierung der Alsterschwimmhalle erfuhr: Rund vier Jahre lang soll sie für die Sanierung schließen, von 2020 bis "voraussichtlich" 2024, verkündete die Umweltbehörde. 60 Millionen Euro seien für das Vorhaben im Haushalt eingeplant. Nach allgemeiner deutscher Großbauprojektformel wären das also ungefähr acht Jahre und 600 Millionen Euro. Das nächste Fass ohne Boden?

Moment, ganz mit der Ruhe. Was haben wir im Wasseraerobic-Kurs gelernt? Erst einmal langsam einatmen – und ausatmen. Gebäude werden nun einmal alt. Die Alsterschwimmhalle galt bei ihrer Eröffnung 1973 mit ihrer futuristischen Flügeldachoptik als revolutionär. Doch heute muss man froh sein, dass noch kein Badegast von einer herabfallenden rostigen Schraube getroffen wurde. Der Bau ist dringend sanierungsbedürfitg.

Bäderland-Sprecher Michael Dietel versichert allerdings, die Sanierung werde sich für die Badegäste lohnen. Neben der Kernsanierung sind ein neuer Eingang, neue Umkleiden, ein moderner Sauna- und Fitnessbereich sowie zusätzliche Becken geplant. "Der baulich aufwendigste Part wird die Dachsanierung", sagt Dietel. "Weil die charakteristische Dachkonstruktion in ihrer Flügeloptik erhalten bleiben soll, wird die Dachschale aus Beton sukzessive saniert." Energieeffizienter werde die Halle auch. Die bestehende Glasfassade soll dem historischen Vorbild entsprechend nach heutigen energetischen Standards erneuert werden.

Bäderland gibt sich beim Thema Bauzeit optimistisch. "Nach jetzigem Stand der Planung wird die Halle lediglich von Oktober 2020 für ungefähr drei Jahre geschlossen", sagt Dietel. Anfang 2024 soll sie wieder öffnen. "Die Alsterschwimmhalle hat eine Kapazität von fünf normalen Hallenbädern. Allein aufgrund der Größe, aber vor allem weil im Bestand gebaut wird, handelt es sich um ein anspruchsvolles und zeitaufwendiges Vorhaben."

Und was ist mit den Kosten? Da scheint es noch Luft nach oben zu geben. Allein die Stadt hat 60 Millionen Euro für das Projekt zur Verfügung gestellt. Bäderland werde ebenfalls an der Finanzierung beteiligt sein. Die genaue Kostenberechnung werde im Herbst 2018 fertiggestellt.

Günstiger und schneller wäre es wahrscheinlich, die Alsterschwimmhalle abzureißen und neu zu bauen. Aber das wäre nun wahrlich ein Desaster.