Eine neue Kunstmesse in Singapur kündigt die MCH Group für das kommende Jahr an. Das klingt erst einmal gut, denn die Schweizer Messegesellschaft hat nicht bloß die überaus erfolgreiche Art Basel in ihrem Portfolio. Dank weiterer Standorte in Miami Beach, Hongkong oder Düsseldorf hält MCH inzwischen viele Fäden des globalen Kunsthandels in der Hand. In Singapur sollen Anfang November 2019 knapp 80 internationale Aussteller zeitgenössische Kunst präsentieren, neben etablierten Galerien möchte man "junge und experimentelle" Kunsthändler für die Messe im Luxushotel Marina Bay Sands gewinnen.

Wie solch eine Messe aussehen könnte, zeigt am selben Ort seit acht Jahren die Art Stage Singapore. Ihr Gründer Lorenzo Rudolf hat sich einen Namen als Pionier gemacht. Shanghai, Singapur und zuletzt Jakarta: Wo immer neue Kunstmärkte entstehen, lanciert er Plattformen für Diskussion und Verkauf. Dass die Schweizer Veranstaltung nun acht Wochen vor seiner stattfindet, ist eine Kampfansage. Selbst eine Stadt voller Millionäre verträgt keine zwei Messen in diesem Abstand – zumal die Kunstsammler unter den Superreichen noch rar sind. "Singapur ist ein wichtiger und sehr dynamischer Kunststandort", erklärt Frank Lasry von MCH. Dafür brauche es jedoch eine Messe für die südostasiatische Region nach "internationalen Standards".

Kleiner Seitenhieb auf Rudolf. Tatsächlich hat die Art Stage Singapore bislang noch kein konkretes Datum für ihre kommende Ausgabe veröffentlicht. Auch war die letzte Messe kleiner, wirkte der Direktor müde von den immerwährenden Verhandlungen mit dem autokratischen Staat und erwähnte, dass man sich auch Bangkok als künftigen Standort vorstellen könne. Nun kommt auch noch die übermächtige Konkurrenz. "Mit der neuen Kunstmesse zielt die Messe Schweiz auf einen direkten Zugang und Zugriff auf die überaus potente ökonomische Elite einer der am stärksten wachsenden Regionen weltweit", lautet Rudolfs Fazit. Aus der Sicht eines auf Marktdominanz ausgerichteten Global Players sei dies "ein smarter Schritt".

Doch stelle sich ihm auch eine grundsätzliche Frage: "Liegt die Chance der Globalisierung, gerade in der Kunstwelt, nicht vielmehr im Reichtum der kulturellen Vielfalt statt in der Konzentration auf wenige 'Brands'? Monopolisierung oder Diversifikation, die Zukunft wird es zeigen." In Singapur scheint die Frage bereits geklärt: Zwei sind hier einer zu viel.