Manchmal habe ich das Gefühl, die haben sich verabredet. Dann stehen plötzlich sechs, sieben Besuchergruppen gleichzeitig vor dem Eingang und wollen sehen, wo Mozart geboren wurde. Aber ich lasse mich nicht stressen, das ist die Grundvoraussetzung, um hier zu arbeiten. Am liebsten sind mir Leute, die nicht erst an der Kasse damit beginnen, ihren Geldbeutel zu suchen, sondern direkt sagen: zwei Erwachsene, drei Kinder, eine Broschüre.

Manchmal sind mehr als 300 Leute gleichzeitig bei uns unterwegs. Wir haben deshalb alles genau getaktet, die Besucher laufen immer nur in eine Richtung. So gibt es keinen Gegenverkehr in den engen Gängen, die kaum breiter sind als ein Mensch. Der Einlass läuft wie bei einem Konzert. Wer spontan kommt, steht Schlange. Gruppen, die vorher buchen, dürfen durch die "Fast Lane" direkt ins Museum. Meine Führungen mache ich auf Deutsch, Englisch und in Gebärdensprache. Auf Italienisch und Französisch nur ab und zu, das können die Kollegen besser.

Durch das Haus dirigiere ich die Besucher mit meinem Körper, das lernt man in der Museumspädagogik. Will ich, dass die Leute nach links schauen, stelle ich mich auf die linke Seite des Raums. Wenn die Gruppe schnell ist, laufe ich an der Spitze und bremse. Wenn sie mir zu langsam ist, bin ich ganz hinten und schiebe ein bisschen. Aber drängeln würde ich nie, das wäre unhöflich. Jeder hat sein eigenes Tempo. Viele Asiaten zum Beispiel verehren Mozart und legen sogar Blumen nieder.

Wenn es stockt, kontaktiere ich meine Kollegen per Funkgerät. Wo ist gerade viel los? Wo ist noch Platz? Die Besucher bekommen davon kaum etwas mit. Wenn eine andere Gruppe mal länger als gedacht im Musikzimmer oder im Schlafzimmer steht, führe ich meine Besucher eben weiter in den nächsten Raum. Man darf sich nicht ärgern, wenn der geplante Weg verstopft ist.

Natürlich gibt es auch Besucher, die sich langweilen. Die stehen in Mozarts Küche und sagen: "Aha, ne Wohnung." Denen drücke ich dann gern einen alten Kaffeeröster aus dem 18. Jahrhundert in die Hand. Sie rätseln erst einmal, was das denn sein könnte. Wenn sie darauf gekommen sind, lasse ich sie ihren Alltag mit Mozarts Alltag vergleichen. Heutzutage, sage ich dann, braucht man nur zwei Minuten für eine Tasse Kaffee. Wussten Sie, dass Mozart 45 Minuten warten musste, bis sein Kaffee fertig war? Die Leute finden das unheimlich spannend.

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