Der Schrecken der Gärtner ist wenige Zentimeter lang, leuchtend grün und trägt weiße Streifen und schwarze Punkte auf dem Rücken. Niedlich, eigentlich. Aber nur für den, der sein Werk nicht kennt. Wo er auftaucht, hinterlässt er kahle Büsche. Er, das ist: der Buchsbaumzünsler, genauer gesagt seine Raupen. Der Einwanderer kam aus Ostasien, voll entwickelt ist er ein kleiner, meist seidig weißer Schmetterling mit braunem Rand.

Seine Spuren ziehen sich durch Parks und Gärten in Mitteleuropa. "Unsere Gärtner sind verzweifelt", sagt Monika Deißler von der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten in Potsdam. Zu ihr gehören unter anderem die Parks in Sanssouci und auf der Pfaueninsel.

Buxus sempervirens ist nicht irgendeine Grünpflanze – er ist der Stoff, aus dem seit Jahrhunderten die Gartenkultur Europas geformt wird: Zu exakten Hecken, Kugeln und Kegeln trimmen Gärtner den dicht wachsenden, immergrünen Strauch. Vom Hof Heinrichs IV. in Versailles aus breitete sich die Buchs-Mode in die Gärten wohlhabender Bürger und Bauern aus. Heute kann jeder sein Stück Grün mit dem robusten Gewächs einfassen – und viele tun es auch. Von der klassenübergreifenden Verbreitung des Buxus zeugt auch die Sprache: Im Westerwald wird er "Katzepissbäumche" genannt.

Vor den Raupen des Buchsbaumzünslers sind heute alle gleich – die Schlossgärten, die Hintergärten und selbst die Friedhöfe. Im Unesco-Welterbepark Babelsberg in Potsdam trat der Zünsler erstmals 2017 auf. In diesem Jahr schlug er erneut zu, diesmal im Neuen Garten: Rund 80 Prozent des denkmalgeschützten Buchsbestandes, der teils Jahrhunderte alt ist, sind befallen oder sogar bis aufs letzte Blatt kahl gefressen. "Die lange Trockenheit und Wärme im April und Mai waren ideal für die Entwicklung der Raupen", sagt Monika Deißler. Die harmloseren Spritzmittel zeigten bislang nicht überall die erwünschte Wirkung; für die härteren Chemikalien wären eine Notfallgenehmigung und eine tagelange Sperrung der Parkanlagen nötig.

In Köln und anderen Städten hat man kapituliert. "Wenn in den öffentlichen Park- und Friedhofsanlagen Buchsbäume sichtbar befallen sind, werden sie sofort entfernt", sagt Harald Dietrichkeit, Verantwortlicher für das Stadtgrün bei der Stadt Köln. Er habe weder das Personal noch das Geld, um gegen den Schädling vorzugehen. Nicht einmal Vorsorge könne er treffen. Denn die Raupen sitzen so weit innen in den Pflanzen, dass eine regelmäßige Kontrolle zu mühselig ist. Und gespritzt werden darf auf Kölner Stadtgebiet nicht, auch nicht mit umweltverträglichen Mitteln.

Erstmals bemerkt wurde der Schädling im April 2007 in Weil am Rhein nahe der Schweizer Grenze. Seitdem hat sich der Falter rasend schnell durch die deutschen Gärten vorgearbeitet, und weit darüber hinaus. Das europäische Verbreitungsgebiet reicht laut der im Schmetterlingsforum zusammengetragenen Schadensmeldungen mittlerweile von Sizilien bis Süddänemark, von Südwestengland bis Tschetschenien.

Aus eigener Kraft hat der Schmetterling das nicht geschafft. Forscher vermuten, dass Gartenbaubetriebe und Baumärkte die schnelle, unkontrollierte Verbreitung des Zünslers beförderten. Das Bundesamt für Naturschutz hat bei Stichproben in Gartenmärkten Eier und Jungraupen gefunden. "Der Buchsbaumzünsler ist eine unschöne Kehrseite der Globalisierung", sagt Bruno Baur, Professor für Naturschutzbiologie an der Universität Basel. "Wenn alle alles von überall her haben wollen, bietet man unerwünschten Arten aus fernen Ländern mit anderen Ökosystemen oft eine Mitfahrgelegenheit."