Der Buchsbaumzünsler hat in Europa keine natürlichen Feinde. In seiner ostasiatischen Heimat legen Wespen ihre Larven in die Eier des Zünslers, die diese dann von innen auffressen. Hierzulande muss der Falter bislang noch keine Parasiten fürchten, und selbst Vögel lassen seine Raupen in Ruhe. Sie schmecken nämlich nicht, weil sie die giftigen Alkaloide der Buchsblätter aufnehmen. Zwar wird vereinzelt berichtet, dass Kohlmeisen die Raupen an ihre Brut verfüttern, doch offenbar nicht in nennenswerter Menge. Zudem bringt der Zünsler in einem Jahr drei Generationen hervor.

Seit zehn Jahren schon beschäftigt sich Bruno Baur mit der Invasion des Buchsbaumzünslers und deren Folgen. Er untersucht seine Fraßvorlieben, seine Überwinterungsstrategien, Bekämpfungsmöglichkeiten – und nicht zuletzt die Regenerationsfähigkeit des Buchsbaums. Sein Forschungsgebiet ist das älteste und größte natürliche Buchsvorkommen in Deutschland: 93 Hektar im Naturschutzgebiet Grenzach-Wyhlen auf der deutschen Seite der Grenze nahe Basel. Chemikalien, egal welcher Art, sind dort verboten.

"Im Jahr 2010 war der Wald fast restlos kahl gefressen", erzählt Baur. "Wir dachten schon, er sei für immer verloren." Doch schon im Jahr darauf habe sich die Widerstandsfähigkeit des Buchses gezeigt. Er fing wieder an zu sprießen, 2016 war der Wald wieder zu 95 Prozent belaubt. "Solange die Raupen die Rinde in Ruhe lassen, erholt sich die Pflanze wieder", sagt Baur. "In Gärten hat aber niemand diese Geduld – die Nachbarn könnten ja was sagen." Denn die braun verfärbten und von Gespinsten überzogenen Buchsgerippe, die der Zünsler hinterlässt, sehen hässlich aus.

Baur wird deshalb immer wieder von verzweifelten Hobbygärtnern kontaktiert, die ihn um Rat bitten. "Die wollen aber nur hören, welches Spritzmittel sie verwenden sollen." Ihm sei jedoch kein Präparat bekannt, das nicht auch Auswirkungen auf andere Insekten hat. "Bei großflächigem Chemikalieneinsatz möchte ich mir die Folgen für die Ökosysteme nicht ausmalen." Stattdessen schlägt er andere Strategien vor: den Busch mit einem harten Wasserstrahl abspritzen, die Raupen mit der Hand absammeln, und die Buchsbäume zur Flugzeit der Falter in engmaschige Netze einpacken.

Die Stadtgärtnerei in Basel hat sogar ein Alarmsystem eingerichtet, ähnlich dem für den Pollenflug. Werden die Raupen gesichtet, warnen Zeitungen, Radio und Fernsehen die Bevölkerung. "Eine vollständige Ausrottung in naher Zukunft ist aber unwahrscheinlich", sagt Baur. Selbst wenn ein Ort es mit viel Mühe schaffen könnte, den Zünsler zu vertreiben, würde schon bald vom weniger erfolgreichen Nachbarort ein neuer Befall drohen.

Die Gärtner der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten experimentieren mittlerweile schon mit anderen Buchsbaumsorten und buchsähnlichen Pflanzen wie Stechpalmen-Gewächsen, die der Zünsler nachweislich verschmäht. "Solange der Buchsbaumzünsler nicht eingedämmt werden kann, bleibt uns leider nichts anderes übrig", sagt Monika Deißler.

Bruno Baur sorgt sich eher um die natürlichen Vorkommen: "Für die europäische Ökologie wäre das ein schmerzlicher Verlust." Man dürfe nicht vergessen, dass die Pflanze in einigen Regionen eine Waldform mit einer einzigartigen Artenvielfalt bilde. Was die in Form getrimmten Gartensträucher angeht, ist er wenig sentimental. Das Leben, sagt er, gehe auch weiter ohne Buchs.

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