Alfred Dorfer © Peter Rigaud

Von wegen geistige Leere und Sommerloch. Mitten im heißen Juli sprießen in der Wiener Stadtpolitik die besten Ideen. Ein Nachtbürgermeister soll her, wie er in anderen europäischen Großstädten bereits gang und gäbe sei. Ein bitte was? Hinter dem drolligen Titel verbirgt sich in der Tat eine wichtige Funktion. Geht es doch um nächtliche Wirtschaftsfaktoren, die noch nicht zur Genüge erfasst sind. Merkwürdig. Die bisherigen Bürgermeister der Hauptstadt kannten diese Konsummöglichkeiten doch bestens, zumindest was den Sektor der Getränke betrifft. Auch ehemalige blaue Stadtpolitiker fielen öfter mit Evaluierungsbesuchen in Nachtclubs auf, um die ökonomischen Aspekte auszuloten. Selbst die fromme ÖVP wusste die Vorteile des Nocturnen zu schätzen. Ein Anfang ist bereits gemacht durch immer häufigere nächtliche Baustellen, die den Leuten mit dem charmanten Sound der Presslufthämmer den Schlaf rauben und sie in die umliegenden Beisln treiben, wo sie den Umsatz steigern können. Weitere Ideen sind gefragt. Welche Ressourcen liegen noch brach? Nächtliche Radwege im Winter etwa, eine Metapher, die bestens die Situation der Grünen versinnbildlicht. Hier könnte der Nachtbürgermeister Eisstockturniere initiieren. Lukrativ für die Stadt wären auch Vorträge im wirtschaftlich toten Morgengrauen, bei denen Uber-Fahrern ein spannendes Thema nähergebracht wird: "Steuern, was ist das eigentlich?" Zuletzt müssen auch heiße Eisen angegangen werden. Etwa: Was macht das Rathaus in der Nacht? Es schläft, wobei hier die Nacht unabhängig von der Jahreszeit stets sehr früh hereinbricht. Alle, die am Nachmittag einen Magistratsbediensteten erreichen wollen, wissen das. Das wäre allerdings ein Fall für den Nachmittagsbürgermeister.